Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente · von Rüdiger Schöttle · S. 148
Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente , 1985

Rüdiger Schöttle

Das Neue Theater

Für die Aufführungen des Neuen Theaters sollen historische Spielstätten, die vor der großen französischen Revolution gebaut wurden und sich in einem relativen Originalzustand befinden, verwendet werden; z.B. das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Ungeeignet wäre aus dieser Sicht das Cuvilliés-Theater (Altes Residenztheater München), dessen bauliche Originalstruktur nicht mehr existiert. Das Publikum soll eine gesamteuropäische Repräsentanz besitzen und inhaltlich, formal wie ökonomisch teilhaben. Es ist im qualitativen Sinne auf eine kleine Gruppe von Repräsentanten beschränkt. Jede Aufführung des Neuen Theaters muß einen konkreten Anlaß haben, der von den Repräsentanten eingebracht und dargestellt wird. Ein Gastpublikum wird vom Gremium des Neuen Theaters jeweils eingeladen. Publikum und Bühnenhandlung müssen in einem abbildungshaften, symbolischen Zusammenhang stehen, daher wird das Neue Theater auch eine neue Ikonologie hervorbringen.

Beim markgräflichen Opernhaus ist auf die ursprüngliche Konzeption von Giuseppe und Carlo Galli-Bibiena, auf dem Entwurf Franzesco Bibienas für den Theaterneubau in Wien basierend, zu achten. Das assoziative Einhalten der gegebenen theatralischen Strukturen soll mit dem künstlerischen Jetzt produktive, d. h. die Realität des Abbildes bejahende Inhalte hervorbringen. Dies bedeutet u.a., daß der Zutchauerraum auf die Ränge beschränkt ist und das Parkett ohne Bestuhlung bleibt. Nicht die Bühne, sondern dieser freie Platz wurde und soll jetzt wieder für die Ballette verwendet werden. Die große Verwandlungsbühne bildet mit dem Orchesterbereich und dem Parkett eine Dreiheit, die sich einmal im unterschiedlichen Höhenverhältnis von Parkett zur Bühne zeigt, dann in der Begrenzung durch die balustradenähnliche Einfassung des Orchesters zum Parkett auf gleicher, unterer Ebene und schließlich in der Trennung der…

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