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Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente · S. 84 - 84
Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente , 1985

Der Petersplatz in Rom

Die ehrwürdige konstantinische Petersbasilika stand bis ins 15. Jahrhundert; dann reifte der Plan für einen vollständigen Neubau im Geist und Stil der neuen Zeit. Der streitbare Pontifex Julius II., derselbe, der Michelangelo das gigantische Werk der Deckenausmalung in der Sixtinischen Kapelle abzwang, tat die entscheidenden Schritte zum Neubau. Vom ersten Spatenstich bis zur Einweihung beanspruchte dieser gewaltige Bau eine Zeitspanne von nahezu 175 Jahren, erwachsen aus dem Genius einer beträchtlichen Anzahl leitender Architekten, darunter so bedeutende wie Bramante, so konziliante wie Raffael, so eigenwillige wie Michelangelo. Der Platz aber entstand in einem Guß: von Lorenzo Bernini entworfen und nach seinem Plan ausgeführt. Freilich fand Bernini einen Teil der Umrahmung schon fertig vor: die Fassade der Peterskirche – Ziel und Ausgangspunkt der Aufgabe, die es zu lösen galt.

Zwischen Bramantes Entwurf für die neue Peterskirche und dem Beginn der Arbeiten Berninis an dem ihr vorgelagerten Platz liegt eine Spanne von eineinhalb Jahrhunderten. Im geschichtlichen Prozeß ist das eine wesentliche Distanz. Und wenn auch im Rahmen des Vorgangs selbst bedeutende Stiländerungen der Architektur letztlich nicht mehr darstellen als Symptome, so sind sie doch als solche bedeutend und ausdrucksstark. Bramantes, selbst noch Michelangelos Entwürfe waren ausgegangen von einem idealen Begriff des Sakralbaus, der unmittelbar durch die eigene Ausdruckskraft wirken sollte. Die nun folgende Barockperiode aber sah im Bauwerk, auch im Kirchenbau, mehr ein Instrument, den Rahmen, in dem menschliches Rollenspiel wirksam zum Ausdruck kommen sollte. Auch die Fassade des Petersdoms war in diesem Sinne Szenerie, vor der der Pontifex, er selbst…

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