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Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente · von Jeff Wall · S. 144 - 147
Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente , 1985

Jeff Wall: Movie Audience

Movie Audience versucht als verneinendes wie festgehaltenes Modell fragwürdiger Erfahrung technologischer Kulturformen wirksam zu sein. Eigentlich kommt es der Nachbildung dieser Erfahrung nahe. Das Werk verschwindet daher im Ausstellungsprozeß als Kunst.

Das moderne Bild wird bewußt als eine Erfahrung der Entfremdung erlebt. Dies bedeutet, daß innerhalb unserer Erfahrung und Wahrnehmung von Bildern, der Status des Werks als Kunst unterbrochen ist und einer Untersuchung unterworfen wird. Ein durch die Kultur-Industrie hervorgebrachtes Prüfen, die die Resultate nach ihren eigenen Kriterien und Zielen interpretiert. Die Phänomenologie der modernen Entfremdung wird in Übereinstimmung mit den bestehenden Eigentumsverhältnissen der Kultur-Industrie bestimmt und neu entworfen. Innerhalb der Entwicklung eines verstärkten und raffinierten Mechanismus von Warenfetischismus verwertet sie sich als negierte und verherrlichte Veräußerung. So werden Kunstwerke untersucht, um festzustellen, was sie zeigen könnten. Ausstellungen sind zum Teil Prüfstände und dementsprechend gibt es immer eine Tendenz, die dahin geht, das Werk als Kunst zu löschen, um es als ‘ästhetischen Ersatz’ wiederzugewinnen. Obwohl diese Tendenz der Moderne feindlich gegenübersteht, ist sie doch ein Moment ihrer Entwicklung.

Mit diesem Gedankengang versuchte ich beim Movie Audience das eigene Moment des Untersuchtseins und Verschlossenseins als Teil moderner Kunst, seine eigene Transformation in ein tyrannisches Dekor, vorwegzunehmen, ja sogar hervorzurufen. Dies wird durch die bei der Herstellung des Werks verwendeten Lichtkästen bedeutend erleichtert, die selbst eine Art grundlegende, spiegelnde Faszination oder Vertieftsein bewirken und sich in mancher Hinsicht antithetisch zu den Bedingungen reflexiver und artifizieller Entfremdung verhalten, die für die unglückliche Klarheit der Moderne unentbehrlich ist.

Gehen wir ins Kino, betreten wir…

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