Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente · von Gordon Matta-Clark · S. 114
Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente , 1985

Gordon Matta-Clark

In den siebziger Jahren ging es den Künstlern darum, den politisch begrenzten Raum der Galerie zu verlassen. Sie kehrten der Stadt den Rücken zu und stellten neo-primitive Erdarbeiten her, nahmen Veränderungen in der Landschaft vor oder legten einfach landkartenähnliche Aufzeichnungen von ihren Wanderungen an. Für die Präsentation (Dokumentation) dieser Arbeit mußte dann aber ironischerweise die Galerie wieder den Rahmen abgeben.

,,Landschaft und Galerie…(sind)…von gleicher Wichtigkeit. Ich glaube nicht, daß wir es mit einer Zurück-zur-Natur-Bewegung zu tun haben… (oder, umgekehrt ausgedrückt) die Welt ein Museum ist.“1 (Robert Smithson).

Smithson verwahrte sich dagegen, seine Arbeit „politisch“ oder im Sinne der gerade in „Mode“ gekommenen Ökologie-Bewegung zu sehen. Vielmehr begriff er sein Werk als formalistische Kunst oder als „romantische“ Haltung in mehrdeutiger Hinsicht.

Die Erdkünstler konnten auf die Galerie als Dokumentationsort für ihre Arbeiten keineswegs verzichten. Darüber hinaus liefen sie Gefahr, einfach ein Stück aus der Natur als „vorgefundenes Objekt“ auszustellen. Für Gordon Matta-Clark war dies ein Problem. Er beschreibt seine erste Arbeit so: „Ich besuchte mehrmals eine Ghetto-Gegend…ging in die Häuser (und) … schnitt mit einer Handsäge Rechtecke aus Boden und Wänden. So konnte man von einem Raum in die anderen sehen. Die ausgesägten Stücke nahm ich…und trug sie in eine Galerie.“2

Matta-Clark kam zu der Auffassung, daß ein Stück direkt in der unmittelbaren urbanen Situation funktionieren muß. „Natur“ war eine Ausflucht; politische und kulturelle Widersprüchlichkeiten sollten nicht übergangen werden. Seine Aus-Schnitte wurden für die Passanten zu einem Spektakel der Zerstörung, und so funktionierte das Stück als eine Art städtische „Agitprop“. Es gab eine…

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