Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente · von Veit Loers · S. 88
Titel: Res Publica - Plätze, Gärten, Monumente , 1985

Der Ehrentempel zwischen Bildungsgarten und ästhetischer Landschaft

Veith Loers

Walhalla und Salvatorkirche

Auch noch heute, fast 140 Jahre nach ihrer Entstehung, stellt die Walhalla eine architektonische Provokation dar. Grund dafür ist nicht allein die Form des griechischen Tempels, sondern die Tatsache, daß dieser Tempel inmitten einer deutschen Landschaft steht – auf den bewaldeten Anhöhen über der Donau unweit Regensburg. Dieser Natureffekt ist es, der die Walhalla von ähnlichen klassizistischen Monumenten in Städten unterscheidet und sie auch in Hinblick auf ihre inhaltliche Intention heraustreten läßt.

So bleibt, nachdem die Baugeschichte fast lückenlos geklärt ist, die Frage nach den Ursachen und den Konsequenzen einer solchen Verbindung von Landschaft und Monument offen, ja sie fordert dazu heraus, die ideengeschichtliche Tragweite dieser Symbiose ins Auge zu fassen.

Ausgangspunkt soll ein Gemälde Leo von Klenzes sein, des Erbauers von Walhalla, das dieser drei Jahre vor deren Einweihung malte. Dargestellt ist inmitten einer heroischen, mediterran anmutenden Landschaft, dem Donautal östlich Regensburgs, der dorische Peripteros im ersten Licht der aufgehenden Sonne. Errichtet über gewaltigen Terrassen beherrscht er den Bräuberg und öffnet den Blick auf den Scheuchenberg, das noch unregulierte Flußbett und die rechts sich anschließende Ebene des Gäubodens mit ihren fruchtbaren Feldern. Auffällig und dominierender noch als Walhalla erhebt sich jedoch im Vordergrund über Gehöften eine mittelalterliche Kirche auf hohem Unterbau mit Treppen und Kreuzwegkapellen. Es ist die kleine Wallfahrtskirche St. Salvator, die heute in Höhe des östlichen Ortsausganges von Donaustauf am Fuße des Bräubergs liegt. Klenze hat ihr eine majestätische Gestalt und Lage zuerkannt, die in ihrer Heroisierung mit der Landschaft…

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