Titel: Die Zukunft des Körpers I · von Alba D'Urbano · S. 90
Titel: Die Zukunft des Körpers I , 1995

Alba D’Urbano

Das Projekt: Hautnah

Der mutierte Körper ist als fehlerbehaftetes Interface in der Welt der Automaten an die Peripherie des kreativen Arbeitsprozesses gerückt. Ihm wird aber die Möglichkeit gelassen, innerhalb der Kettenreaktion der Prozesse eines Systems kleine Inputs zu geben und Outputs zu empfangen. Er wird zur Brücke, die verschiedene Apparate verbindet, ein Sender von Impulsen, für den Interaktion mit der Außenwelt oft nur auf die primitive Bewegung eines Joy-Stick, auf das Drücken einer Taste, auf das Stimulieren eines Sensors reduziert ist. Die Welt wird woanders programmiert. Wie eine leere Gestalt scheint er nur aus Händen, Ohren, Mund, Füßen und Augen zu bestehen. Hand-Maus, Fuß-Pedal, Finger-Tastatur, Augen-Bildschirm, Sinne-Sensoren: perfekte Binome einer Abhängigkeit, einer „interpassiven“ Beziehung mit der Welt, in der die Entscheidungsfreiheit ein Mythos ist, da die Wahl nur in einem reduzierten Menü von Alternativen stattfinden kann.

Vor einigen Jahren schrieb ich in einem Text über die Veränderung unseres Realitätsbegriffs durch die Einführung der Medien in die Kommunikations- und Kulturnetze: „Wir verbringen unser Leben in einer Welt aus Konserven, wo die reproduzierte und duplizierte Realität wahrer und perfekter als die eigentliche Wirklichkeit zu sein scheint. Ein simuliertes Leben in einer ‚virtuellen‘, nur für den menschlichen Verstand gebauten Umwelt, wo alles, was Körper und Materie ist, nach Unperfektion riecht.“

Mit dem Projekt „Hautnah“ setze ich mich mit dem Geruch dieses Imperfekten auseinander und „trage die Haut zu Markte“. Ich habe mich entschieden, mit dieser Arbeit den Menschen und seinen mutierten Körper zu explorieren und wieder ins Zentrum seines kleinen Universums zu stellen: Daher habe…

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