Monografie , 1995

Jürgen Raap

Hans Salentin

Prinzip Collage

2. Mai 1950: Für Hans Salentin erweist sich die allerrste Begegnung mit den Kommilitonen Heinz Mack und Otto Piene an der Düsseldorfer Kunstakademie im nachhinein als Schlüsselerlebnis. „Wir begannen zusammen, Picasso, Léger und die Abstrakten zu entdecken“, erzählt er über den Beginn der Freundschaft, die dann in der „Gruppe 53“ und später ebenso in der „ZERO“-Gruppe einen ästhetisch-künstlerischen Zusammenhalt fand.

Waren Salentins künstlerische Anfänge bis zu diesem Zeitpunkt nämlich durch den Einfluß der klassisch-akademisch orientierten „Düsseldorfer Malerschule“ geprägt, so wendet er sich alsdann wie fast alle seine Altersgenossen dem Informel bzw. Tachismus zu. Was von Paris aus an abstrakt-expressiven Tendenzen das Kunstgeschehen bestimmte, hatte schnell überall in Europa eine Zeithöhe gewonnen, besonders aber im Westdeutschland der Adenauer-Ära, wo die junge Künstlergeneration jeglichen Realismus nicht zuletzt auch deswegen ablehnte, weil er durch die ideologisch-propagandistischen Verbiegungen der Nazis als äussert negativ besetzt galt.

Schritt zur Avantgarde

In Salentins Malerei aus der Mitte der fünfziger Jahre ist bisweilen schon in einer auf Formlosigkeit hin angelegten Bildsprache zu ahnen, wie unter anderen, dann nämlich „konkreter“ ausdeutbaren Vorzeichen und mit anderem inhaltlichen Impetus später in vielen Collagen und Bildern Elemente des Fragmentarischen und Strukturellen nebeneinander plaziert werden. Das „Prinzip Collage“ bestimmt im übrigen durchgängig das gesamte malerische und plastische Werk in den verschiedenen Schaffensphasen, als Aufgreifen und Umdeuten von Material und gefundener Form bzw. als Zusammenfügen heterogener Teile. Lediglich die späteren Zeichnungen (ab 1974) folgen mit ihrem handschriftlich betonten tagebuchartigen Charakter einer anderen Methodik.

Die malerische Vorgehensweise wirkt in jener tachistischen Phase durchweg spontan-improvisatorisch, wie dies…

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