Titel: Die Zukunft des Körpers I · von Agnes Hegedüs · S. 176
Titel: Die Zukunft des Körpers I , 1995

Agnes Hegedüs

Die Hand als Schnittstelle

Die Hand war stets ein elementarer Vermittler zwischen Denken und Handeln. Das ist in unserem technologischen Zeitalter immer der Fall, wo allein die Finger auf einer Tastatur große Kräfte freisetzen können. Die Gestaltung der Interaktion und der Schnittstelle spiegelt in meiner Arbeit die Faszination an der Hand wider: wegen ihrer gestischen Leistung in einem symbolischen Kontext, wegen ihrer Macht, zwischen Körper und Maschinen zu vermitteln, und wegen dem Sicherheitsgefühl und dem Vertrauen, das sie uns beim „Handeln“ in unseren Umgebungen gibt. Hände wurden für unser Handeln in immateriellen Situationen besonders bedeutsam, die durch neue Technologien der Simulation entstanden sind. Hier sind sie die pragmatische und symbolische Kontaktstelle zwischen den Körpern und dem, was unkörperlich ist. In der Taktilität ihrer Aktionen bleibt für unseren Körper, ganz egal wie gering diese ist, ein körperlicher Erfahrungs- und Verstehenskontext gewahrt.

Ich werde zwei interaktive Installationen aus der letzten Zeit beschreiben, wo ich versucht habe, diese feine Beziehung zwischen dem Körper und dem Virtuellen durch die Mittel einer sorgfältig überlegten ästhetischen und konzeptuellen Strategie zum Ausdruck zu bringen, die auf die Funktionalität und Bedeutsamkeit der Hände des Benutzers ausgerichtet sind.

HANDSIGHT (1992) besteht aus einem kreisförmigen Projektionsbild, aus einer Schnittstelle, die man in der Hand hält und die die Form eines Augapfels besitzt, und aus einer durchsichtigen Kugel mit einem Loch, in die der Zuschauer diese Schnittstelle einführen und in der er sie bewegen kann. Wenn die Schnittstelle außen bleibt, wird die durchsichtige Kugel auf dem Projektionsbild als virtuelles Auge dargestellt. Wenn der…

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