Titel: Documenta IX , 1992

DIRK SCHWARZE

Der Chef

JAN HOET ALS DOCUMENTA-LEITER

Nein, gezweifelt hat er keinen Moment, daß die DOCUMENTA IX, seine documenta, gut, stark und phantastisch werden würde. Vom Tag seiner Berufung im Januar 1989 an glaubte er an sein eigenes Meisterstück – nicht nur deshalb, weil er von sich selbst so fest überzeugt wäre, sondern auch, weil er wie viele andere wußte, daß die Kasseler Kunstschau einen Schub brauche, wenn sie wirklich eine Zukunft haben wolle. Und wie ein Politiker, der sich zur Wahl stellt, machte sich der Genter Museumsmann Jan Hoet auf den Weg, um in der Zeit bis zur Ausstellungseröffnung die Menschen in aller Welt im direkten Gespräch zu überzeugen. Er ließ keinen Interviewtermin aus und scheute keine Diskussion, er sprach in überfüllten Sälen und setzte sich und sein Publikum mehrfach Marathon-Sitzungen aus. Am liebsten aber suchte er das Einzelgespräch, das direkte Gegenüber. Dann nämlich, das weiß er, kann sich ihm kaum einer entziehen, dann fixiert er mit seinen die Begeisterung ausstrahlenden Augen das Gegenüber solange, bis dieses zustimmend nickt: Ja, so ist es.

Aber wenig später ist der Mann, der auch unter den Spröden das Feuer der Begeisterung für die Kunst anzünden kann, wieder ein Kind. Er freut sich darüber, daß einer der alten Helden der heutigen Kunst, der Italiener Mario Merz, nicht bloß dabei sein will, sondern sein Konzept von der documenta der Künstler auch mitträgt. Oder: Als auf dem Friedrichsplatz Jonathan Borofskys »Man walking to the sky« aufgerichtet ist und die ersten Blicke der Passanten fasziniert zu der kräftig ausschreitenden…

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von Dirk Schwarze

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