Titel: Documenta IX · von Jan Hoet · S.
Titel: Documenta IX , 1992

Ein Rundgang: Documenta Halle

Kommentiert von Jan Hoet, Fotos: Dieter Schwerdtle

Ah, die neue Documenta-Halle, das ist die Welt. Weil sie die Architektur einer Kirche hat, die Struktur einer Basilika. Mit einem großen Vorgebäude, mit einem Gang, der an Kabinetten vorbei führt, mit Tischen um Dinge zu kaufen, mit Treppen, die nach unten laufen. Das Publikum wird durch den Gang in die Kirche geleitet, die große Ausstellungshalle – und das ist die Welt, abstrakt gedacht. Eine Kirche, in der vielleicht kein Gott mehr ist. In der Kirche schweigen alle Leute, weil Gott da ist. Niemand zeigt sich dort, weil alle in ihrer Funktion vor Gott sind. Der Priester steht in der Mitte, und alle sind gleich ihm gegenüber. Aber hier geht es nicht mehr um Gott, es wird nicht geschwiegen, es werden all die Geschichten, die wir als Individuen in einer Kirche vertreten, laut. Wenn wir alle sprechen würden in der Kirche, dann würde das ein Chaos sein. Es ist wie auf einem Flughafen. Und auf einem Flughafen kann man auch Poesie entdecken, wenn man die Offenheit dafür hat. Dann ist man verpflichtet, diese Poesie aufzusuchen. Wenn ich in den 60er Jahren gelebt hätte, hätte ich die Documenta-Halle zum Fluxus-Raum gemacht. Die drei Kabinette sind noch Museum. Hier sind Malerei, Video und Skulptur präsentiert. In der Halle könnte man nur schwer Cézanne oder Picasso zeigen, in den Kabinetten wäre dies möglich. Im Video-Kabinett zeige ich Bill Viola. Im Skulpturen-Kabinett Jean Marc Bustamante und Bilder von Richard Prince. Die Malerei von Marden, Lasker…

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