Gespräche mit Kunstvermittlern · von Gabi Czöppan · S. 386
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1991

Der Kunstverein wird zum Hörsaal, aber er verkommt dabei nicht…

Gabi Czöppan und Maribel Königer sprachen mit Helmut Draxler, dem neuen Direktor des Münchner Kunstvereins

Der in Graz geborene und in Wien lebende Kunsthistoriker wird ab 1.1.1992 am Münchner Kunstverein für zwei Jahre die künstlerische Leitung übernehmen: Helmut Draxler, der bei Wilfried Skreiner über „Das brennende Bild. Eine Kunstgeschichte des Feuers in der neueren Zeit“ promovierte (Veröffentlichung: KUNSTFORUM, Band 87), hat jüngst mit der Zeitungsausstellung „Die Botschaft als Medium“ von sich reden gemacht. Er legt Wert darauf, in erster Linie Theoretiker zu sein, und das wird man auch an seinen Ausstellungen merken. Hat sich München ein Kuckucksei ins gemütliche Nest gelegt, oder wird, fern ab vom Rhein, ein neues Zeitalter in der Geschichte der Kunstvermittlung eingeläutet?

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M.K.: Haben Sie sich gezielt für die Stelle in München beworben, weil Sie hier Ansprechpartner für das sehen, was Sie machen möchten?

H.D.: Nein. Ich lasse das auf mich zukommen und empfinde es als sehr angenehm, derart unbelastet irgendwo anzufangen: sein eigenes Image, wenn man so will, korrigieren zu können; sich selbst medial Vorgaben zu setzen, die man einholen muß; das dann wieder zu bestätigen; daraus so etwas wie Identität aufzubauen. Das ist eigentlich das, was mich an der Situation gereizt hat.

M.K.: Reichen zwei Jahre, wenn man blanko anfängt, um einen neuen Boden zu bereiten?

Blanko ist man ja nur wenige Stunden. Dann beginnt das Spiel von neuem. Im übrigen hat mein Vertrag die Option für eine Verlängerung.

G.C.: Sie sprechen gerne von „interventionistischen Aktionen“, also kunstferne, soziale Gruppen (die…

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