Gespräche mit Kunstvermittlern · von Marius Babias · S. 391
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1994

»Der Kurator muß verschwinden«

MARIUS BABIAS SPRACH MIT HANS-ULRICH OBRIST ÜBER AUSSTELLUNGSMACHEN, DIALOG UND KOMPLIZENSCHAFT, ÜBER KUNST ALS MASSENMEDIUM

Er organisierte Ausstellungen in der eigenen Küche, im Hotel, in einer Stiftsbibliothek und sogar im Flugzeug. Richter, Boltanski, Boetti und Feldmann arbeiteten mit ihm. Hans-Ulrich Obrist (25) aus dem schweizerischen St. Gallen mit Wohnsitz in Paris ist Aufsteiger des Jahres in der internationalen Kuratorenszene. Aus der Peripherie kommend, erobert er nun die Museumszentren. Gemeinsam mit Laurence Bossé organisierte er die Ausstellung „Qui, quoi, òu?“ im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, mit Kasper König die Malerei-Ausstellung „Der zerbrochene Spiegel“ in der Kunsthalle Wien und in den Deichtorhallen. Vorerst letzter Coup des neuen Erfolgsduos: „Neue Kunst in Hamburg“ im Hamburger Kunstverein.

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M. B.: Du bist erst 25 Jahre alt, aber als sogenannter Ausstellungsmacher bereits sehr erfolgreich. Was bedeutet Karriere für dich?

H.-U. O.: Ich sehe mich als freier Ausstellungsmacher auf einem Weg der Unsicherheit und des Zweifels von Ausstellung zu Ausstellung, immer mit der Frage: Ist es die letzte?

Von dir kursiert die Legende, daß du mit 17 Jahren diverse Künstlerateliers quer durch Europa besucht hast. Woher kommt dieses Interesse für Kunst bereits in diesen jungen Jahren?

Am Anfang der Reise stand ein Gefühl der Zentrifugalität. Irgendwie gab es immer diesen großen Nachholbedarf. Aufgewachsen in einem Land ohne die Kulturgeschichte einer „Grande Nation“, gleichzeitig umgeben von hervorragenden Museen und Kunsthallen, der Sinn für das Periphere, das Marginale eines Alpenlandes, das war das Amalgam Schweiz als Ausgangspunkt.

Begegnungen mit Künstlern haben offenbar deinen Ehrgeiz geweckt, Ausstellungen zu organisieren….

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