Kunstforum-Gespräche , 2010

Der letzte Imbiss auf der Speisekarte der Apokalypse

Ein Gespräch mit Werner Spies von Heinz-Norbert Jocks

Werner Spies, mit zahlreichen Preisen ausgezeichneter Ausstellungsmacher und Schriftsteller, für den Picasso und Max Ernst unerschütterliche Säulenheilige sind, lebt in Paris. Mit ihm traf sich Heinz-Norbert Jocks in seinem Büro an der Place de la Victoire, um mehr über diesen Mann zu erfahren, der sich schwäbisch weigert, über sich zu reden. Der Interviewer erfuhr Dinge, die er nicht erwartet hatte, und war überrascht darüber, wie finster dieser so Exponierte die von der Menschheit derzeit erlebte Welkrise mit unvorhersehbaren Folgen resümiert. Nach mehr als zwei Stunden, am Ende des Gesprächs, dann die Ermunterung des Überbeschäftigten, der gerade ein Buch über Max Ernst in Amerika schreibt, man könnte sich ja ein weiteres Mal zur weiteren Vertiefung treffen.

Heinz-Norbert Jocks: Was interessiert Sie überhaupt an Kunst?

Werner Spies: Warum fangen Sie mit der schwierigsten Frage an? Dass ich mich für Kunst interessiere, hat vielleicht damit zu tun, dass ich für Sport ungeeignet bin und weil es mich immer schon interessiert hat, auch als Kind, Dinge zu sehen und zu erleben, die nicht zum Hausgebrauch gehören und Fragen aufwerfen.

Die Lektüre Ihrer Texte verrät, dass Sie nicht selten über Ethnologen, Anthropologen, Schriftsteller und Künstler schreiben, die entweder Reisen in die Innenwelt des Bewusstseins antreten oder deren Lebensentwurf eng mit Reisen verknüpft ist. Da es Ihnen, so mein Gefühl, nicht um Selbstreflexion geht, frage ich mich, was Ihr Interesse an der Kunst ausmacht?

Sicherlich reizt mich der Eintritt in exotische Welten, die mich zwar faszinieren,…

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