Kunstforum-Gespräche · von Georg Imdahl · S. 380
Kunstforum-Gespräche , 2010

Das Ruhrgebiet ist mehr als eine Metropole

Ein Gespräch mit den beiden Museumsdirektoren Heinz Liesbrock und Raimund Stecker von Georg Imdahl

Den „Mythos Ruhr begreifen“, die „Metropole gestalten“ und „Europa bewegen“ möchte das einjährige Programm der Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010. Im Gespräch gehen die beiden Museumsdirektoren Heinz Liesbrock und Raimund Stecker den historischen Ursprüngen der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst in der Region nach – und leiten daraus ihre Kritik am künstlerischen Programm der Kulturhauptstadt 2010 ab. Zugleich bezweifeln sie den behaupteten Anspruch der Programmmacher, das Ruhrgebiet sei eine Metropole oder befinde sich auf dem Weg dorthin.

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Georg Imdahl: Herr Liesbrock, als das Ruhrgebiet zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 gekürt wurde – welche Erwartungen hatten Sie damit verbunden?

Heinz Liesbrock: Dass die eigentümliche Intensität des Ruhrgebiets – die lebendige Verbindung von Kunst-, Kultur- und Sozialgeschichte, die hier bis in die Gegenwart reicht und das Revier unverkennbar macht – zu einer differenzierten und zugleich machtvollen Aufführung findet, selbstbewusst auch in der nicht zu übersehenden Regionalität und frei von wohlfeiler Folklore. So könnte das Ruhrgebiet seinen Platz in Europa als Kultur- und Lebensregion eigenen Rechts reklamieren. Man das Unternehmen Kulturhauptstadt momentan noch nicht abschließend bewerten. Es ist aber schon früh deutlich geworden, dass die Hoffnung auf ein klares programmatisches Profil im Bereich der bildenden Künste, nämlich auf einen hohen künstlerischen Anspruch und auf ein historisches Bewusstsein für die Entwicklung des Ruhrgebiets durch die Kulturhauptstadt Ruhr 2010, nur partiell erfüllt werden würde. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Wir selbst im Josef Albers Museum haben uns jedenfalls früh entschieden,…

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