Magazin: Museen & Institutionen · S. 159
Magazin: Museen & Institutionen , 1983

Der Triumph des Tageslichts

Erweiterungsbau der Mannheimer Kunsthalle – ein Glücksfall

Als im Jahre 1907 zum dreihundertjährigen Stadtjubiläum in Mannheim die Kunsthalle gebaut und mit einer internationalen Kunstausstellung eröffnet wurde, gab es anschließend einige Ratlosigkeit innerhalb der Bürgerschaft. Was nun? Wie und womit sollte man das neue Museum füllen? 1908 beschloß der Stadtrat, hier „die städtische Gemäldesammlung in zweckmäßiger und zum weiteren Ausbau geeigneter Anordnung unterzubringen.“ Sie füllte knapp die Räume im Erdgeschoß. Das Obergeschoß blieb vorläufig leer. Ein Jahr darauf wurde Fritz Wichert (1878-1951), Wölfflin-Schüler und Assistent Swarzwenskis am Frankfurter Stadel, die „berufsmäßige Leitung“ übertragen.

Wer ahnte wohl damals, daß dieses Institut einst zu internationalem Rang aufsteigen würde, heute anerkannt als eine der bedeutendsten und vollständigsten Sammlungen zeitgenössischer Plastik in der Welt? Reichtum und Qualität solcher Bestände lassen sich etwa mit denen des Hirshhorn-Museums in Washington vergleichen. Hierzulande wäre in diesem Zusammenhang allenfalls das Wilhelm Lehmbruck-Museum in Duisburg zu nennen. Dieser Tatsache entspricht auch die Gestaltung des in der ersten Oktoberwoche, quasi zum fünfundsiebzigsten Jubiläum der alten Kunsthalle, festlich eröffneten Erweiterungsbaus, nunmehr ein „Paradies der Plastik“ (Eduard Beaucamp in der „Frankfurter Allgemeinen“).

Schon vor mehr als sieben Jahrzehnten, im Jahre 1912, hatte Wichert ihn gefordert, angesichts des inzwischen reichlich angewachsenen Kunstbesitzes. Mit der Wahl seiner Nachfolger hatte die Stadt stets eine glückliche Hand. Dennoch erreichten weder G.F. Hartlaub noch Walter Passarge den auch von ihnen mehrfach verlangten Neubau. Bis jetzt unter Heinz Fuchs (seit 1959 im Amt, das er am 1. Januar 1984 an Manfred Fath aus Ludwigshafen abtritt) der große Wurf gelang,…

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