Gespräche mit Kunstvermittlern · von Judith Fischer · S. 462
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1993

»Der zerbrochene Spiegel«

Judith Fischer und Christian Kravagna Sprachen mit Kasper König und Hans-Ulrich Obrist, den Kuratoren der Wiener Festwochen-Ausstellung

Die Großausstellung zur gegenwärtigen Situation der Malerei im Messepalast und der Kunsthalle Wien zeigt Werke von über 50 Künstlern aller Generationen. Sie geht weiter in die Hamburger Deichtorhallen.

*

J.F.: Herr König, Sie schreiben in einer der ersten Stellungnahmen, daß es sich bei dieser Festwochen-Ausstellung um ein relativ konventionelles Vorhaben handelt. Können Sie das Konzept des „zerbrochenen Spiegels“ skizzieren?

K.K.: Konventionell vielleicht deswegen, weil es erst einmal anmuten wird wie eine Ausstellung, wie sie noch in den 50er oder 60er Jahren üblich war. Man ist da ausschließlich mit einer Sache, nämlich der Malerei, beschäftigt. Und das eigentlich nur, um zu sagen, daß das, was uns vorschwebt, keine ereignishafte Inszenierung sein soll, sondern vor allem eine Bestandsaufnahme, die sich allein auf Malerei bezieht, um der Frage nachzugehen, welche Funktion oder welche Autonomie besitzt diese vielmals totgesagte Kunstform.

H.-U.O.: Die mehrfache Sprengung des Bildrahmens hat ja längst stattgefunden. Seit der Rahmen zum ersten Mal gesprengt wurde, ist diese Regelverletzung zur Regel geworden. Was uns bei dieser Ausstellung von Anfang an interessiert hat, war eine Recherche danach, wo die Regelverletzung zwar reflektiert wird, aber das Tafelbild trotzdem ein brauchbares Vehikel bleibt.

K.K.: Ja, und ganz wichtig dabei ist, daß diese Recherche drei Generationen von Malerei heute umfaßt. Insofern ist die Ausstellung – hoffen wir – ein Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck.

J.F.: Sehen Sie einen Unterschied zwischen Bestandsaufnahme und Querschnitt?

H.-U.O.: Aus der Breite der Recherche bietet die Ausstellung einen Querschnitt.

K.K.: Interessant…

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