Gespräche mit Künstlern · S. 245
Gespräche mit Künstlern , 2009

Gert & Uwe Tobias

Die Konzentration der Vielfältigkeit

Ein Gespräch von Oliver Zybok

Die Zwillingsbrüder Gert und Uwe Tobias sind 1973 im rumänischen Kronstadt (Brasov) in Siebenbürgen geboren und 1985 mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Deutschland übergesiedelt. In den Arbeiten der beiden Künstler liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Themenkreis der kulturellen Identität. Gert und Uwe Tobias entwickeln in der Auseinandersetzung mit ihrer transsilvanischen Herkunft ein Kaleidoskop aus folkloristischen Motiven und grotesken Szenarien. Der sich daraus ergebende Transfer in eine eigene Bildsprache sowie die Sicht auf historische, geografische und kulturelle Systeme sind Ausgangslage für Fragen nach Identität und persönlichen Mythen sowie deren Relativierung. Der künstlerische Ansatz von Gert und Uwe Tobias erstreckt sich dabei über Holzschnitte, Schreibmaschinenzeichnungen, Aquarelle, Collagen und Skulpturen bis hin zu konzeptuellen Projekten und Installationen.

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Oliver Zybok: Ich habe gehört, dass Zwillingsfragen Euch nerven, noch mehr als die Transsilvanien-Thematik. Eure Arbeiten werden stets in Bezug zu Rumänien – Eurem Geburtsland – wahrgenommen. Der Kunstmarkt scheint eine Authentizität vorstalinistischer Karpaten-Exotik zu wittern, obwohl Ihr bereits seit 1985 in Deutschland lebt. Die Kritik überschlägt sich mit so humorvoll gemeinten, aber ebenso belanglos erscheinenden Überschriften wie „Dämonen im Dracula-Park“ oder „Ein Vampir kommt selten allein“. Wie geht Ihr mit solchen Klischee-Vorstellungen um? Versucht Ihr derartigen Kategorisierungen entgegensteuern? Und wenn ja, auch künstlerisch?

Gert Tobias: Dadurch, dass wir mit diesen Klischees arbeiten, haben wir natürlich eine inhaltliche Vorlage gegeben, wie zum Beispiel mit dem Holzschnitt-Werkzyklus „Come and see before the tourists will do – The Mystery of Transylvania“ (seit 2004). Zudem kommen wir…

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