Gespräche mit Galeristen , 1996

Die Leute mit Geld kaufen heute lieber Autos und Häuser

Jutta Schenk-Sorge sprach mit dem Prager Galeristen Jaroslav Krbusek

Der Galerist Jaroslav Krbusek gehört zu den Veteranen der Prager Kunstszene. Bereits unter den Kommunisten setzte er sich mit Zähigkeit und List für die inoffizielle Kunst ein. Ab 1984 betrieb er die Galerie OPATOV und stellte dort trotz Schwierigkeiten Künstler wie Stanislav Kolíbal, Karel Malich oder Milan Knízák aus. Nach der politischen Wende gründete er 1994 die Galerie RUCE und erlebt nun Höhen und Tiefen eines freien Kunstbetriebs, denn die ehrwürdige Kulturmetropole Prag befindet sich mitten im kapitalistischen Aufbruch. Immerhin wurde kürzlich auch die lang geplante Nationalgalerie Moderner Kunst eröffnet. Ihre zum Teil erstmals gezeigten Sammlungsbestände und internationale Ausstellungen sollen der Kulturszene Anstöße vermitteln.Das Gespräch wurde im Mai 1996 in Prag geführt.

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J. S.-S.: Prag besitzt zur Zeit eine große Anziehungskraft, besonders für junge Leute. Zeitweise strömten ja ganze Scharen von abenteuer- und „unternehmungslustigen“ Amerikanern herbei, um in den kapitalistisch jungfräulichen Gefilden etwas auf die Beine zu stellen oder sich eine gute Zeit zu machen. Auch als Besucher empfindet man die Aufbruchsdynamik, diese Goldgräberstimmung. Existiert entsprechendes im Kunstbereich? Gibt es so etwas wie eine junge Kunstszene, die von den neuen Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten profitiert? Und Galeristen, die sie nutzen?

J. K.: So einfach ist das nicht. In Prag gibt es heute zwar 120 Galerien, doch kann man davon nur eine Handvoll ernst nehmen. Etwa die Galerie MXM, die von der Künstlergruppe der „Dickschädel“ getragen wird, oder die Galerie von Jirí Svetka, der im Augenblick allerdings…

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von Jutta Schenk-Sorge

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