Gespräche mit Sammlern · von Alexander Braun · S. 469
Gespräche mit Sammlern , 1996

»…, es gibt doch kaum etwas Schöneres als Veränderung«

Alexander Braun sprach mit dem Fluxus-Verleger und Kunstsammler Wolfgang Feelisch

Wolfgang Feelisch, 1937 in Remscheid geboren, ist mehr als nur ein Verleger von Multiples und Kunstsammler. Er stand seit Mitte der 60er Jahre im Zentrum der wichtigsten bundesdeutschen Fluxus-Aktivitäten. Er lud Künstler wie Joseph Beuys, Wolf Vostell, Robert Filliou oder Nam June Paik nicht nur regelmäßig ein, Auflagenobjekte für seinen 1966/67 gegründeten VICE-Versand zu entwerfen, sondern war darüber hinaus ein verläßlicher Aktivist, der den Künstlerfreunden in vielfältiger Weise zuarbeitete.

Feelisch kehrte nach einer kaufmännischen Ausbildung 1965 in seinen Geburtsort Remscheid zurück, um den Familienbetrieb, eine mittelständische Werkzeugfabrik, zu übernehmen. Diese sichere Basis eines Broterwerbs hat er bis heute nicht aufgegeben. In seiner Freizeit suchte er jedoch – frustriert von der Kulturlosigkeit der Zeit und seines spezifischen Standortes – den Kontakt mit den fortschrittlichen Kräften im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie. Er lernte politisch engagierte Künstler wie H. P. Alvermann und Beuys kennen und erprobte innovative Möglichkeiten eines schnelleren und künstlerisch authentischeren Informationsflusses. Kunst sollte nicht länger den Museen und Galerien vorbehalten bleiben, sondern ein Mittel der freien Kommunikation darstellen: ohne Privilegien und Limitierung, vom Künstler direkt an den Adressaten, zum denkbar günstigsten Preis. Feelisch schwebte für den Kunstbetrieb so etwas vor, wie es das Taschenbuch im Bereich der Literatur geschafft hatte: eine Demokratisierung der Kultur.

Gleich das erste mit H. P. Alvermann erarbeitete Auflagenobjekt, ein mit den Bundesfarben und einem Hakenkreuz versehenes Sparschwein – als Protest gegen die geplante Notstandsgesetzgebung – zeigte im Sinne einer gesellschaftlich…

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