Titel: Urban Performance II · von Heinz Schütz · S. 44
Titel: Urban Performance II , 2013

Die Stadt als Aktionsraum

Urban Performances als singulärer Auftritt und kollektives Ereignis

von Heinz Schütz

Performances und die theoretische Auseinandersetzung mit dem Performativen haben Konjunktur. Nachdem in den späten Achtzigerjahren im Bereich der Kunst das Interesse an Performances sank, erwachte es im letzten Jahrzehnt erneut. Historische Rückblicke, Neuaneignungen in Form von Re-Enactments und die Neuproduktion von Performances nahmen ständig zu. Der Fokus aufs Performative prägt seit einiger Zeit auch das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse, so postulierten Kulturwissenschaft und einzelne Kulturwissenschaften in Analogie zum und in Abkehr vom „linguistic turn“ den „performative turn“.1 Der neue Blickwinkel eröffnet neue Einsichten, doch so lange Wissenschaft ihre Erkenntnisse nicht zu tanzen vermag, bleibt sie dem Begriff verhaftet, die Erforschung des Performativen lässt ihre Darstellungs- und Reflexionsmethode unberührt. Parallel zu Kunst und Wissenschaft kann in der sozialen und kommunikativen Alltagspraxis eine zunehmende Drift weg vom Konstativen hin zum Performativen beobachtet werden. Nachrichten, die informieren sollten, werden zu Dauerereignissen mit medial inszenierten Protagonisten, Geschichtsdokumentationen kommen nicht mehr ohne pseudohistorische Verkörperungsszenen aus, die Übersetzung von gesellschaftlichen Beziehungen in die Gewinn- und Verliererlogik des Sports und des Kapitals deklariert alle zu Teilnehmern von Spielen, der zelebrierte Techno-Kommunikations-Exzess entwickelte sich zum performativem Selbstzweck.

Neben der performativen Drift ist es der Topos Stadt, der in den letzten beiden Jahrzehnten insbesondere auch die Kunst beschäftigte und prägte. Betrachtet man die Fülle von Kunstprojekten und -publikationen, die sich allein schon in ihrem Titel auf die Stadt beziehen, erweist sich offensichtlich bereits der Begriff „Stadt“ als ein die Aufmerksamkeit fesselnder und die Imagination anregender Anziehungspunkt, dessen Attraktion sich keineswegs…

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