Gespräche mit Künstlern · von Sven Drühl · S. 216
Gespräche mit Künstlern , 2013

Yuan Shun

Eine Art zu reisen, ohne die Notwendigkeit den eigenen Standort zu verlassen.

Ein Gespräch mit Sven Drühl

Das medienübergreifende Werk des 1961 in Shanghai geborenen Künstlers Yuan Shun umfasst Installationen, Fotografien, Videoarbeiten, Performances, aber auch Tusche-Papierarbeiten. Er hat in den achtziger Jahren klassische chinesische Landschaftsmalerei in Peking studiert und ist schon zu Beginn der neunziger Jahre von China nach Europa gegangen. Nach einigen Jahren in Polen ist er 1994 nach Berlin gezogen und hat die kulturell inspirierende Nach-Wende-Zeit erlebt, in der sich die heute so unglaublich breitgefächerte Berliner Kunstlandschaft formte. Inhaltlich kreisen die Arbeiten von Yuan Shun um die Themenkomplexe Mensch, Urbanität, Architektur, Landschaft und kulturelle Identität. Seit 2005 pendelt er zwischen seinen Ateliers in Berlin und Peking.

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Sven Drühl: Du hast in China in den achtziger Jahren traditionelle Landschaftsmalerei studiert. Bis heute arbeitest du mit dem Thema Landschaft, erweitert um den Aspekt des Urbanen. Die chinesische Landschaftstradition trifft dabei in deinem Werk auf die europäische Landschaftstradition. Kannst du den Unterschied zwischen beiden Auseinandersetzungen mit Landschaft erklären?

YUAN SHUN: Landschaftsbilder werden in der chinesischen Kunstgeschichte “Shan-Shui” Bilder, also wörtlich “Berge-Wasser” Bilder genannt. Bis zur Sui und Tang Dynastie war die Shan-Shui Malerei ein eigenständiges Genre und erlebte in der nördlichen Song Dynastie ihre vollständige Entfaltung. Ihren Ursprung hat die Shan-Shui Malerei in der Vorstellung der künstlerischen Beziehung zwischen Mensch und Natur, so wie sie von den Philosophen Menzius und Zi Si in der Zeit der Streitenden Reiche (475 v. Chr. und 221 v. Chr.) formuliert wurde. Dieser Vorstellung zufolge hat der Himmel…

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