Biennalen: Göteborg International Biennial for Contemporary Art · von Heinz-Norbert Jocks · S. 274
Biennalen: Göteborg International Biennial for Contemporary Art , 2013

Katerina Gregos

Plädoyer für eine radikale Imagination

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks über ihre Ausstellung „The Politics of Play“

Heinz-Norbert Jocks: Womit befasst sich „Die Politik von Spielen“, so der Titel deines Beitrages, im Rahmen des mit dem von den künstlerischen Leitern der Biennale Edi Muka und Stina Edblom vorgegebenen Themas?

Katerina Gregos: Es stellt sich die Frage: Was ist eine radikale Imagination? Und: Wie offenbart sie sich in der Praxis zeitgenössischer Kunst? Inspirieren ließ ich mich von dem in den 70ern veröffentlichten Buch „Gesellschaft als imaginäre Institution“ des Griechen Cornelius Castoriadis. Er war einer der ersten Philosophen, der sich ausführlich der Idee der radikalen Imagination widmete. Darin postuliert er die Idee, dass die radikale Imagination Formen oder Typen hervorbringt, die anders sind als die in der Gesellschaft bereits existenten. Die radikale Imagination ist nicht nur die Kraft, welche gesellschaftliche Institutionen bildet, sondern auch die, die diese wegfegt. Für Jean-Paul Sartre ist diese Imagination ein Synonym für die Idee der Freiheit des menschlichen Bewusstseins. Nun sind die radikale Imagination und die Imagination an sich verantwortlich für die Kunst und die Kultur, wie wir sie kennen. Doch die radikale Imagination sieht die Welt nicht, wie sie ist, sondern, wie sie sein sollte. Sie bringt uns zu anderen oder alternativen Seins- und Handlungsweisen und führt zu einer Einschätzung und Sichtung von Andersartigkeit. Beschworen wird das Abwesende und erfunden, was vorher noch nicht da war. Vor dem Hintergrund des beachtlichen Mangels an Imagination innerhalb des politischen Raums, den wir heute konstatieren, denke ich, dass die Kunst und…

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