Titel: Urban Performance II · von Heinz Schütz · S. 158
Titel: Urban Performance II , 2013

Urbane Choreografie

Heinz Schütz im Gespräch mit Willi Dorner

Der urbane Raum ist immer auch ein Raum, der von Architekturen bestimmt wird. Über ihre intendiert funktionalen und symbolischen Dimensionen hinausgehend stehen sie in Beziehung zu den Körpern der Stadtbenutzer und legen in einem sozial halbbewussten Bereich die Bewegungs- und Aufenthaltsräume der Passanten fest. Es bedarf der Durchbrechung der bestehenden Verhaltensmuster, um die gewöhnlich ignorierten und tabuisierten Räume und die regulativen Kräfte der architektonischen Gegebenheiten wahrzunehmen. Seit die im Jahr 1999 gegründete Wiener Tanz- und Performancegruppe Compagnie Willi Dorner die Bühne verlassen hat, um in den Stadtraum einzudringen, setzt Dorner die Körper der Performer einzeln oder in kollektiven Akkumulationen zu den Architekturen des Stadtraums in eine unmittelbare Beziehung. Die Stellung der Körper wird von der Architektur bestimmt. Die Körper fügen sich dem Zwang des Bestehenden, und machen doch, so noch nie gesehene Positionen einnehmend, freien Gebrauch von ihm. Dorners irritierende Körperinterventionen erfolgen an ausgewählten Orten in den weltweit unterschiedlichsten Städten.

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Heinz Schütz: Immer wieder wurde und wird Tanz als Bewegung von Körpern im Raum verstanden. Möbel und Architekturen sind meist nur Hindernisse, die der Bewegung im Weg stehen. Sie nun beziehen Möbel und Architekturen dezidiert in Ihre Arbeit mit ein. Sie situieren etwa die Körper der Tänzer im Stadtraum in außergewöhnlichen Positionen, die von der Architektur bestimmt werden.

WILLI DORNER: Ich habe mich vor zwölf, dreizehn Jahren auf die Suche begeben, was für mich Raum im Tanz bedeutet und habe dann sehr früh gemerkt, dass ich die Bühne verlassen muss. Ich habe dann in…

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