Ausstellungen: Kiel , 1996

Jens Rönnau

Doppelt Haut

Tattoo – Bilder die unter die Haut gehen

Zwei Ausstellungen in der Kunsthalle, 23.6. – 25.8.1996

Der Sommer dieses Jahres brachte ein ausgesprochen vielfältiges Publikum in die Kieler Kunsthalle. In einem Tattoo-Studio konnte man sich von Profis tätowieren lassen, dem zusehen, die dazugehörige Ausstellung „Tattoo“ ansehen und auf diesem Wege möglicherweise zur eigentlichen Hauptausstellung der Kunsthalle gelangen: „Doppelt Haut“ mit internationaler Künstlerbesetzung.

Zuständig für den gesamten Schaukomplex: Beate Ermacora, stellvertretende Direktorin des Hauses.

„Tattoo – Bilder die unter die Haut gehen“ besteht aus drei eigenständigen Teilen. Zunächst wird mit Bilddokumenten und Gegenständen einem traditionsreichen Phänomen der Alltagskultur nachgespürt: der Tätowierung, die ausgehend von Dekorationszeichen der Südseebewohner noch bis ins 19. Jahrhundert an europäischen Fürstenhöfen als Ausdruck der Noblesse galt und um 1900 einen populären Höhepunkt erreichte. Danach wurde sie eine Sprache der Subkultur. In den 20er und 30er Jahren betrieb Christian Warlich, der sogenannte „König der Tätowierer“, in Hamburg ein Tätowierstudio. Aus seinem Nachlaß sind zahlreiche Plakate, Fotos, Werkzeuge und gar samt Hautfetzen abgelöste Tätowierungen zu sehen. Ein weiterer Teil der Ausstellung zeigt Fotografien aus russischen Straflagern von Sergej Vasiljev aus den 80er Jahren. Den Strafgefangenen dort gelten jene Tätowierungen als letzte Reste persönlicher Freiheit, wobei die Fotos auch Narben von Suizidversuchen nicht verschleiern.

Schließlich leitet der dritte Teil der Tattoo-Schau auf die Gegenwartskunst: 1991 entwarf Lawrence Weiner für die „Tottoo Collection“ der Pariser Galerien Air de Paris und Urbi et Orbi ein Tattoo für den Arm von Gilles Dusein „A Fripon / Fripon & Demi“. Die Sammlung umfaßt heute 300 Arbeiten und…

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