Ausstellungen: Hamburg · S. 294
Ausstellungen: Hamburg , 1989

Thilo Koenig

Duane Michals

FOTOGRAFIEN 1958-1988

There are things here not seen in this photograph“ titelte Duane Michals (57) 1977 ein Bild, dem er handschriftlich die Beschreibung von Erinnerungen an Empfindungen hinzufügte. Hinter seinem Wunsch, „zu fotografieren, was man nicht sehen kann“, verbergen sich bei Michals philosophische Anregungen Mystizismus und Meditationserfahrungen, aber vor allem der Wunsch, ebenso über momentane Abbilder hinaus seine Befindlichkeit ausdrücken zu können wie Interpretationen. Seit 1966 entstanden so Sequenzen, später Bilder mit Texten und neuerdings eigenen Gedichten, die in ihrer Synthese aus ’short story‘ und Fotoroman sehr amerikanisch erscheinen. Dennoch setzt sich Michals intensiv mit der europäischen Tradition auseinander, zitiert häufig aus der Kunstgeschichte. Er greift auf Max Klinger (eine Handschuh/Fetisch-Sequenz) und René Magritte zurück, dem er viele Anregungen verdankt; 1965 entstand bei einem Besuch in Belgien eine ganze Serie von Magritte-Portraits. Tod, Religion, Mythos und Psychoanalyse bilden neben seinem medienkritischen Ansatz die wichtigsten Bezugspunkte. Egal wen er fotografiere, er produziere immer „versteckte Selbstportraits“, hat Michals einmal gesagt. Wiederholt thematisiert er den traumatischen ‚Sündenfall‘ erwachender Sexualität („The fallen angel“, 1968) sowie das Verhältnis zum eigenen Vater: In „Selfportrait shaking hands with my father“ (1966) scheint dieser dem jungenhaft wirkenden Fotografen den Weg zur geöffneten Tür zu verstellen; der reumütig zurückkehrende „Prodigial son“ (1982) beschämt den Vater, hier Michals selbst, und bewegt ihn zum Kleidertausch; in der Sequenz „The old man kills the minotaur“ (1976) tötet ein Vater den lustvoll Heranstürmenden, der die Tochter zu verführen droht. Gegenüber solchen, zuweilen deutlich homoerotischen Sujets erreicht Michals die dichtesten Eindrücke jedoch dort,…

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