Titel: Der Elfenbeinturm - Ein Reiseführer · von Jacques Lennep · S. 37
Titel: Der Elfenbeinturm - Ein Reiseführer , 1982

Eben-Ezer

Ein Turm aus lebenden Steinen

von Jacques Lennep

Aus dem Französischen von WERNER HILLMANN

Der Beitrag von Jacques Lennep über Robert Garcet ist ein zugleich kunsthistorischer und künstlerischer, was der Arbeitsweise von Jacques Lennep durchaus entspricht, denn seit Jahren stellt er im Rahmen seines Arbeitskonzeptes „Musée de l’Homme“ Personen mit ihren Arbeiten aus, die keine Künstler zu sein beanspruchen, gleichwohl in der Gestaltung ihres Alltagslebens eine Phantasie wirksam werden lassen, die in unserer gleichförmigen Industriegesellschaft ansonsten nur bei den Spezialisten der Kreativität, eben den Künstlern, erwartet und geschätzt wird. Für einen belgischen Künstler nicht überraschend, ist er durch René Magritte, vor allem aber Marcel Broodthaers beeinflußt, der ihm vor Jahren die schöne Aufforderung telegrafierte Fermez les musées, ouvrez les prisons! In einem Gefängnis der Kreativität geht Jacques Lennep seinem Brotberuf nach, und zwar im Brüsseler Musée des Beaux-Arts; als Künstler hat er seit 1974 einige Auswege aus dem Gefängnis der Alltags-Stereotypie vorgestellt: den Sammler und Selbstdarsteller Alfred Laoureux (Kunstforum Band 32), den Kastanienschnitzer Pierre Bonvoisin, die Autografen-Sammlerin Madame Paul Six, den Fußball-Fan Enzio Bucci, das Fotomodell Tania und den Jesusdarsteller Yves Somville (Zu den meisten Ausstellungen sind Einzelpublikationen erschienen). Lenneps künstlerische Methode besteht in der Identifikation mit diesen Heroen der Volkskunst, in der konzeptuellen Vermittlung ihrer Arbeits- und Lebensformen, am ehesten vergleichbar dem Konzept der Volkskunst, mit dem Dieter Hacker und Andreas Seltzer in den 70er Jahren gearbeitet haben.

Die Begegnung mit dem Turm-Erbauer und Anarcho-Mystiker Robert Garcet bot Jacques Lennep…

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