Ausstellungen: Hannover , 1982

Kunstbespitzelung durch den Spiegel

‚Spiegelbilder‘ – Kunstverein Hannover

Ob es nur zur Selbstbespiegelung von Künstlern und Ausstellungsmachern reicht, oder ob sich doch eine Reflexion der Kunst an Bildern und Objekten ablesen läßt, das bleibt bei der ‚Spiegelbilder‘-Ausstellung weitgehend eine offene Frage. Denn der Spiegel, wie diese Ausstellung, bietet nicht eine feste Wahrheit, sondern nur eine ständig wechselnde Wirklichkeit. Edward Burne-Jones (dessen Bild ‚Das Schreckenshaupt‘, 1887, das früheste Spiegel-Beispiel in dieser Ausstellung ist) nimmt den Spiegel zur Illustrierung der zeitgenössischen Sehnsucht einer Rückverwandlung von Kultur in Natur, Klaus Fussmann sieht im Spiegelbild das ‚körperlose Objekt‘, den Abgebildeten als ‚Ding unter Dingen‘, Adolf Luther wiederum benutzt den Spiegel ‚instrumental‘, um spezifischer Lichtfunktionen willen. Der Spiegel wird gleichermaßen benutzt, um Illusionen glaubhafter zu machen (das mit ins Bild hineinzuziehen, was aus dem Augen-Blick heraus nicht ins Bild gehört), und um Illusion zu zerstören (wie bei Margritte, Duane Michals oder in den Spiegel-Objekten und -Räumen Christian Megerts). Instrumentales läßt sich nur schwer oder gar nicht von Symbolischem trennen. Als Betrachter bleibt man immer am Einzelbeispiel stehen oder ‚hängen‘, man verliert sich in den ‚Tiefen der Spiegelung‘, immer in der Hoffnung, ‚hinter den Spiegel‘ zu kommen, was letztlich zur ‚totalen Irrealität‘ (G.R. Hocke) der Kunst führt.

Wie der Spiegel als Objekt und Projektionsfläche für die Künstler weiterhin seinen Reiz hat (und haben wird), so bleibt auch der Reiz bestehen, eine derart thematische Ausstellung zusammenzustellen, auch wenn sich erweist, daß kaum mehr als wenige ‚Brechungen‘ dabei herauskommen können.

Mit dem Spiegel, schreibt Christian Megert im Katalog, „kann ich Seh- und…

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