Ausstellungen: Wuppertal , 1982

Widerstreit der Generationen

G. Paolini/M. Paladino, Von der Heydt-Museum/ Wuppertal

Oberflächlich betrachtet läßt sich die Diskrepanz zwischen Giulio Paolini und Mimmo Paladino, so wie sie sich im Wuppertaler Von der Heydt-Museum darbietet, kaum intensiver vorstellen. Paolinis „De bello intelligible“ (Von der geistigen Schönheit); vorher zusammen mit Joseph Kossuth in der Bielefelder Kunsthalle) – ein vielteiliges Werk, daß nicht nur im Titel die Schönheit in der Vorstellung, in der geistigen Ebene ansiedelt. Mimmo Paladino, der Jüngere, wenngleich auch nur um 7 Jahre, zeigt neben einer stattlichen Anzahl zarter und doch in ihrer rätselhaften Begegnung zwischen dem animalischen und dem menschlichen Lebewesen erregenden Zeichnungen, vornehmlich großformatige Bilder und Zeichnungen. Dazu einen neuen Zyklus von Gouachen, die sich nicht ausdrücklich, aber in ihren tiefen emotionalen Lagen mit dem Thema Tod auseinandersetzen. Dies alles im Gegensatz zu Paolinis gold gerahmten Abbildern der hehren Kulturgeschichte, güldene Minibildnisse nach Künstlern, Themen oder Nummern zu Rechtecken geordnet. Die Feierlichkeit des Goldes in augenfälligem Kontrast zur Reduzierung der Stofflichkeit unserer geistigen Güter, allenfalls Anlaß, aus der Erinnerung die Klänge künstlerischer Schöpfungen zu beleben. Das Kunstwerk als Produkt geistiger Schöpfung und ständiger Neuschöpfung durch die sich durchaus auch wandelnde Aneignung im Laufe der Jahrhunderte.

Demgegenüber die emotionale Entladung in expressiven Linien und Farben, Zeichen und Formen, der intelligiblen Deutung entzogen, weil nicht aus vorgefaßter intellektueller Entscheidung geboren. ‚Geschehnisse‘ aus der Traumwelt eines Subjektes, rätselhaft für den Autor wie für den Betrachter. Und doch eine Quelle intuitiver Kommunikation – weil die Innenwelten der Subjekte (so rätselhaft und auf Befreiung mehr hoffend denn diese…

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von Annelie Pohlen

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