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Magazin: Medien · von Ingo Arend · S. 482 - 483
Magazin: Medien , 1993

Ingo Arend
Ein dritter Weg des europäischen Films?

Filmpolitische Konferenz des SPD-Kulturforums in den Potsdamer Defa-Studios

Heißt die Antwort auf den amerikanischen Kulturimperialismus europäischer Kulturprotektionismus? Diese Frage stellte sich Mitte Dezember vergangenen Jahres die filmpolitische Konferenz des „Kulturforums der Sozialdemokratie“ zur Zukunft des europäischen Films in den alten Defa-Studios in Potsdam-Babelsberg. Wer sich heute auf die Suche nach dem europäischen Film macht, bleibt meist in amerikanisch bespielten Vorstadtkinos hängen. Das dort mit Augen wahrzunehmende kulturimperialistische Gefälle zwischen den USA und Europa, die deprimierenden Fakten über die Marktanteile europäischer Filme, läßt die Eingangsfrage nur mit einem entsetzten „Ja!“ beantworten.

Hähnchen- und Maiskriege und der Streit um eigenständige Armeen sind nur eine Seite des europäisch-amerikanischen Konkurrenzverhältnisses. Die Sinninstanz Film als Massenkommunikationsmittel hat Bedeutung als Medium kultureller Hegemonie und Träger kultureller Identität Europas. Und die sah der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Glotz durch die „Durchamerikanisierung“ radikaler bedroht als durch die Japanisierung der europäischen Industrie. Senta Berger legte in einem klugen, detailkundigen Beitrag die von den amerikanischen Major Companies planvoll konstruierte Strukturschwäche des europäischen Films offen. Gegen den amerikanischen Einheitssound können sich die bewahrenswert vielfältigen europäischen Filmsprachen trotz guter Qualität kaum artikulieren.

Für die amerikanischen Firmen, so Berger, sei die Filmbranche in erster Linie ein „Warentermingeschaft“. Mit dem feststehenden, ständig mit neuen Filmen in großer Kopienzahl bestückten System aus Block- und Blindbuchungen beherrschten sie die Mehrzahl der europäischen Filmkinos. Beispiele für anspruchsvollere deutsche Produktionen, wie der Achtungserfolg: „Kleine Haie“ von Sönke Wortmann, hätten in Deutschland ein noch besseres Ergebnis erzielen können, wäre der Film mit einer größeren Kopienzahl gestartet worden….


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