Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 254
Gespräche mit Künstlern , 1994

Jörg Immendorff:

»Ein Künstler ist kein Kopf voller Ölfarben, die er mit sich rumschwappt.«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Der 1945 geborene Jörg Immendorff, neben Lüpertz, Penck oder Baselitz im Ausland als typischer Repräsentant Neuer Figuration aus deutschen Landen bekannt geworden, ist weder ein Wüterich der Leinwand noch ein Maler um der Malerei willen. Aus Unbehagen an gesellschaftlichen Bedingungen wagte er eine engagierte Malerei mit Blick auf die durch die Berliner Mauer symbolisierte Teilung seines Landes. Als er 1966 in eher plakativer Form sein „Hört auf zu malen“ auf die Leinwand schmierte, führte er die eigene Arbeit ad absurdum. Mit einer Malerei purer Selbstgenügsamkeit wollte er brechen. Seinem Willen zur Parteilichkeit und seinem Wunsch, im Sinne der Masse zu agieren, folgten um 1974 produktive Zweifel an einer Vereinnahmung des Künstlers durch Parteiinteressen. In der Erkenntnis, daß Kunst keine Veränderungen bewirke, fand er zu seiner Furore machenden Bilderfolge „Café Deutschland“ als Gegenposition zu Renato Guttusos „Caffè Greco“. In einer Allegorie voller Anspielungen im Gestus einer Erzählung sieht man, wie er die Hand durch die Berliner Mauer streckt, aber auch die Säule mit dem Porträt Pencks vor dem Brandenburger Tor, den runden Tisch mit Honecker und Schmidt sowie die gespenstisch anmutende Szene des hakenkreuzschwingenden Adlers, der bedrohlich über Tanzpaaren schwebt. Hier ist ein auf Zeitgeschichte reagierender Ikonograph am Werk, der noch nicht am Ende seiner künstlerischen Fähigkeiten ist.

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H.-N. J.: Ihre Kunst streift immer auch politische Zusammenhänge.Woraus entwickelte sich Ihr Ansatz, Kunst im Lichte der Politik zu verstehen?

J. I.: Mein Verhältnis zur Politik als Künstler entsprang…

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