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Ausstellungen: Berlin/Essen/Paris · S. 344 - 344
Ausstellungen: Berlin/Essen/Paris , 1991

Michael Nungesser
Elfi Fröhlich

»Überwindung der Grausamkeit – Gespräche mit Breton«

Berlinische Galerie, Martin-Gropius-Bau, Berlin, 1.2. – 1.4.1991

Fotografie als bildgebendes, bildsetzendes, die Imagination entfachendes Medium – so versteht und praktiziert sie Elfi Fröhlich, die mit ihrer neuesten Fotoinstallation den Spuren der Surrealisten folgt. Die 1951 in Lünen geborene, in Berlin lebende Fotografin, die viele Jahre auch dokumentarisch-erzählerisch arbeitete, verfährt nicht eingreifend-inszenatorisch, sondern bedient sich einer dem automatischen Schreiben analogen Form der Traumprotokollierung; für die entstehenden poetischen Bilder sucht sie Entsprechungen in der Realität, der direkten wie der kulturell vermittelten, die sie durch Manipulationen der Aufnahmetechnik verfremdet, ihrer Alltagserscheinung enthäutet, magisch einfärbt. Ihre Installation erscheint wie ein „Gedicht aus Bildern“ (Frecot), ihre Aufnahmen als Membranen für die Phantasie der Betrachter.

Elfi Fröhlich hat für ihre André Breton gewidmete Arbeit 17 großformatige Farbfotos ausgewählt, die einzeln oder gepaart an den Wänden eines Raumes hängen: Ausschnitte und Details, Nahsichten, geheimnisvoll illuminierte Nachtbilder von Gebäuden oder Skulpturen, Gemälden oder Tieren, Kleinem oder Kosmischem. Die Realitäten vermischen sich, die physisch greifbare mit der gemalten, skulpierten, gefilmten oder elektronisch via Satellit reproduzierten, Zeit und Raum, die Maßverhältnisse der Dinge untereinander heben sich auf und gerinnen zu neuen Bildern, zu Bildwelten, deren Herkunft unter dem Druck der Einbildungskraft allmählich verlischt.

Was sich gestalthaft hinter schützenden Glasplatten, deren Reflexionen eher irritieren denn intensivieren (vorgegebener Raum und Lichtverhältnisse sind ungünstig), abzeichnet, setzt sich aus einfachen Formen und Gegenständen zusammen, die aber in ihrer düster-nächtlichen, verschwommenen, dichten, Körpergrenzen und Stofflichkeit aufhebenden und vertauschenden Erscheinung zu einer assoziationsreichen Traumwelt werden. Vermag zwar die malende oder…


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