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Ausstellungen: Berlin · S. 324 - 325
Ausstellungen: Berlin , 1989

Peter Funken
Elisabeth Brockmann

»Fotoarbeiten«

Galerie Aedes, 8.5.-10.6.1989

Vor dem Umzug in ein neues Domizil zeigt die Galerie Aedes als Abschiedsvorstellung eine Ausstellung kleiner und großformatiger Fotoarbeiten der in Düsseldorf lebenden Künstlerin Elisabeth Brockmann. Ihre Arbeiten beziehen sich nicht ausschließlich auf die Architektur, sondern sind als raumbezogene Fotografien zu verstehen. Die eindrucksvollsten Werke der Ausstellung sind zwei querformatige, jeweils 2 x 3 Meter große Fotobilder, die sich im Hauptraum der Galerie gegenüberhängen. Durch das kluge Arrangement dieser kolorierten Fotooriginale vermittelt sich dem Betrachter der Eindruck einer Installation, die ihm einen Einblick in eine jenseitige Außenwelt bietet. Beide Arbeiten zeigen Szenen des Nichtalltäglichen und aktualisieren Momente des Mythos. Hauptperson der ersten Fotografie ist eine lebensgroße, in der Seitenansicht präsentierte Muse, die Elisabeth Brockmann neunfach seriell gereiht und sich perspektivisch verkleinernd in den Bildraum montiert hat. Als Vorlage für die Muse verwendete die Künstlerin das Zeitungsfoto einer klassizistischen Polyhymnia, die als Skulptur vor der Wiener Oper steht. Das schwarz-weiße Ausgangsmaterial hat Elisabeth Brockmann vergrößert, repetiert, montiert und schließlich mit Eiweißlasurfarben bemalt. Dieses Kolorierungsverfahren, das übrigens vor der Einführung der Farbfotografie gebräuchlich war, verleiht den dargestellten Frauenkörpern eine immense Plastizität und eine geradezu mysteriöse Präsenz im Raum. Der goldig schimmernde Farbauftrag, der keine materielle Oberfläche besitzt, weil die Lasuren vollends in das Fotopapier eindringen, auratisiert die neun Musen und zeigt sie als übernatürliche Wesen in einem unbestimmt sakralen Raum. Sowohl die Intensität des schimmernden Farbauftrages als auch eine präzise Montagetechnik, die die beiden vorderen Figuren in Überschneidung zeigt, erzeugen den Eindruck von großer Lebendigkeit. Die starre…


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