Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 261
Ausstellungen: Köln , 2016

Jürgen Raap

Fernand Léger

»Malerei im Raum«

Museum Ludwig, Köln, 9.4. – 3.7.2016

Kunsthistorisch ist die Wandmalerei bekanntlich weitaus älter als die Tafelmalerei, und wenn diese Ausstellung im Kölner Museum Ludwig herausstellt, welch zentrale Bedeutung die „Malerei im Raum“ im Gesamtwerk von Fernand Léger (1881-1955) einnimmt, dann bezieht sich dies nicht nur auf die Biografie des gelernten Architekturzeichners Léger, sondern auch auf gattungsgeschichtliche Aspekte. Zudem ist es der Kuratorin Katia Baudin in exzellenter Weise gelungen, anhand der monografischen Entwicklung von Légers Werk auch den Zeitgeist der Moderne in der Zeit zwischen den beiden beiden Weltkriegen und den frühen 1950er Jahren heraus zu stellen.

Die eindeutige Absage an den Akademismus der Vormoderne zeigt sich im Verzicht auf jeglichen malerischen Illusionismus, und sie verbindet sich bei Léger auch mit dem Wunsch nach einer Synthese der Künste. Seine Entwürfe zu Wandbildern rekurrieren natürlich ebenfalls auf die dekorative Funktion bei der Gestaltung von Innenräumen; zugleich bedient er sich hier aber auch einer völlig freien Formensprache. Deutlich sieht man dies in dem großen Rundbild „Les Plongeurs“ mit Umrisszeichnungen in Schwarz-weiß, in den 1940er Jahren für das Haus des amerikanischen Architekten Wallace K. Harrison geschaffen und im Museum als großzügige Installation mit Möblierung inszeniert.

Die räumlich pointierte Dekoration war für Fernand Léger jedoch kein reiner Selbstzweck, denn so, wie es den zeitgenössischen Architekten Paul Nelson oder Le Corbusier bei ihren Konzepten zur Wohnarchitektur um Idealtypisches und um die Einlösung sozialer Utopien ging, und dies eben im Sinne des Fortschritts, den die Moderne propagierte, so begriff auch Léger die Funktion der Farbe als…

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