Magazin: Museen & Institutionen · von Carl Friedrich Schröer · S. 436
Magazin: Museen & Institutionen , 1995

Geschenk auf Abruf

»Kunstkiste« für die Maler-Stars.

Unternehmer Hans Grothe will seine Kunstsammlung in Bonn unterbringen

Während Bundesparlamentarier, Regierungsvertreter und deren zahlreicher Anhang bereits auf den Koffern nach Berlin sitzen und Bonn spätesten 2000 den Rücken kehren, kommt der Immobilienunternehmer Hans Grothe mit einer großzügigen Offerte. Er bietet der Stadt seine gesamte kapitale Kunstsammlung leihweise an, plant den Ausbau der Bonner Museumsmeile – und droht der vom Umzugstrauma schwer angeschlagenen Stadt kaum verholen mit dem Abzug seiner bislang vom Bonner Kunstmuseum gehüteten Bestände, falls der Plan mißlingt. Grothe will mit seiner Kunstsammlung (rund 500 Werke ausschließlich deutscher Künstler) zwischen die Bundeskunsthalle und das Kunstmuseum Bonn. Beide Neubauten wurden erst 1992 eröffnet. Ein Glücksfall für die gebeutelte Stadt – oder ein Danaergeschenk?

Glücksfall, weil der Großbildsammler und Immobilienjäger ohnehin bereits die Hälfte seines Kunstschatzes in Bonn deponiert hat und sich ans Städtische Kunstmuseum schon seit Dirk Stemmlers Zeiten vertraglich gebunden hat. In dem Vertrag steht, daß die Sammlung der Familie Grothe komplett gezeigt werden müsse. Das geht aber selbst im Neubau nicht. Als Ausweg bietet das Museum mindestens zwei Wechsel-ausstellungen pro Jahr mit Grothe-Künstlern. Wo die Abhängigkeit ohnehin unbestreitbar ist, gibt man sich begeistert über die Pläne des ehrgeizigen Sammlers, gleich mit der vollen Ladung überzukommen: „außergewöhnlich günstig“ und „geradezu zwingend notwendig“, lauten folglich die Zustimmungen aus der Direktionsetage des Städtischen Kunstmuseums an der B 9. Droht doch sonst der Abzug des gesamten Grothe-Konvoluts. Das rührt an das Bonner Umzugs-Trauma. Mit der Abwanderung baute sich zudem in einer anderen Stadt ausgerechnet jener Schwerpunkt auf, den…

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von Carl Friedrich Schröer

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