Magazin: Kulturpolitik · von Marius Babias · S. 416
Magazin: Kulturpolitik , 1994

Marius Babias

Große Wirkung

Das Kunst-Gutachten von Beeren/König setzt Berliner Institutionen unter Druck

Das erhoffte Großreinemachen war es nicht, dafür aber kulturpolitisch klug: Lob für das Haus der Kulturen der Welt, den DAAD und das Berliner Künstlerinnenprogramm, Schelte für den Neuen Berliner Kunstverein, die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst und die Stipendienvergabe, offene Kritik für die Berlinische Galerie, die Akademie der Künste und den Hamburger Bahnhof. Was die beiden Experten Kasper König (Direktor der Städelschule, Frankfurt) und Wim Beeren (Ex-Direktor des Stedelijk Museums, Amsterdam) in ihrem von Kultursenator Roloff-Momin bestellten „Gutachten zur Situation der Bildenden Kunst in Berlin“ konkret vorschlagen, würde ausreichen, um die hochsubventionierten Institutionen aus dem provinziellen Tiefschlaf zu wecken. Freilich, einen Tritt in den Arsch bekommt niemand, jedenfalls nicht namentlich. Köpfe werden nicht rollen, alte Zöpfe nicht abgeschnitten, allenfalls werden die langen Mähnen der Off-Rebellen vom „Jugendprojekt“ Tacheles gestutzt; die Gutachter empfehlen hier Projektförderung statt institutionelle Förderung, sonst drohe „Anachronismus“.

Die eigentliche Brisanz der 16seitigen und bemerkenswert sachlichen Schrift liegt in ihrem Widerspruch, konkrete Reformen für den als unreformierbar geltenden Bereich der Bildenden Kunst formulieren zu wollen. Kein Kultursenator hat es bisher gewagt, die Berliner Erbhöfe anzutasten. Roloff-Momin muß schließlich auch irgendwo unterkommen, wenn er nicht mehr regiert.

Trotzdem: Er kann jetzt auf die Empfehlungen von Beeren und König verpflichtet und zukünftig daran gemessen werden. Und die lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, wenn man zu lesen versteht. Beispiel Berlinische Galerie: Diesem im Martin-Gropius-Bau residierenden und vom Senat alimentierten Verein wünschen die Gutachter, wenn auch verklausuliert formuliert, ein baldiges Ende, denn…

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