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Ausstellungen: Kassel · S. 378 - 379
Ausstellungen: Kassel , 1991

Reinhard Ermen
Günter Tuzina

Kunsthaus Zürich, 27.1. – 18.3.1990
Museum Fridericianum, 13.1. – 1.4.1991

Das Kunsthaus Zürich und das Museum Fridericianum Kassel zeigten Günter Tuzina (Jg. 1951). Der Schwerpunkt lag auf Arbeiten der letzten drei Jahre, doch wurde auch gelegentlich der Blick bis ins Jahr 1982 zurückgeworfen. Zu sehen war der Teil eines (malerischen) Gesamtwerks von bemerkenswerter Geschlossenheit.

Es wäre zu einfach, diese Geschlossenheit auf jenes durch Mittellinien und Diagonale geteilte Rechteck zurückzuführen, das als Zeichnung die Organisation von Tuzinas Farbbildern mitbestimmt. Für den eiligen Betrachter wäre dieses Rechteck vielleicht sogar ein Hindernis; die Gefahr besteht nämlich, daß das vielfach wiederkehrende Zeichen als eine Art Signet gesehen wird. Das Rechteck ist jedoch mehr, es ordnet durch seinen Anspruch auf die Fläche den Dialog der Farben, es verhält sich zu den anderen Farbfeldern so, wie die Farben, die mittelbar oder unmittelbar durch die Zeichnung berührt werden, zu dieser Maßeinheit eine Haltung einnehmen. Dabei hat das aufrecht stehende Rechteck keine präzise Geometrie. Es wird zwar mit dem Lineal gezogen, kommt aber aus der freien Hand. Es gibt sich so selbständig, daß es auch als „freie“ Bodenarbeit aus Stahl möglich ist. Diagonale und Mittellinien laufen organisch an den rechnerischen Schwerpunkten vorbei. Der rechte Winkel ist nicht der alleinige Gesetzgeber.

Für Günter Tuzina ist, so ließe sich sagen, das Gemälde ein Haus für Farben; dessen erste Bedingung wäre das gewählte Format – in der Regel ein Hochformat -, zweite Grundvoraussetzung das zeichnerische Maßwerk. Hier wird freilich nicht mehr der alte Konflikt zwischen Linie und Farbe ausgetragen, vielmehr geht…



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