Biennalen , 2012

Intensive Nähe

„Intense Proximité“ – La Triennale 2012

Palais de Tokyo, Paris, 20.4. – 26.8.2012

von Amine Haase

Das Herz der Ausstellung schlägt fast im Verborgenen – und füllt doch mit seiner Energie alle Winkel dieser Triennale, die Okwui Enwezor mit seinen vier Co-Kuratoren im Pariser Palais de Tokyo eingerichtet hat: Eine kleine Sammlung von Zeichnungen und Photographien des Ethnologen Claude Lévi-Strauss nimmt einen bescheidenen Raum ein, aber sie ist der Anker für die Überlegungen zu diesem Projekt mit dem Titel „Intense Proximité“, intensive Nähe. In einem der Triennale-Journale sagt Enwezor: „Schauen Sie sich die Photographien an, die Lévi-Strauss von den bemalten Gesichtern der Caduveo-Frauen gemacht hat; eines sieht tatsächlich einer Weltkarte ähnlich. Aus der gemalten Maske schauen uns die Augen der Frau an, und die Unmittelbarkeit lässt ein Gefühl von verwirrender Intimität und Nähe aufkommen, das den Abstand verringert, ja die Entfernung aufhebt. Man ist mit einer Kraft der Lossagung konfrontiert, die etwas mitteilt, was zu dem Zeitpunkt bereits im Begriff ist, sich zu ändern, damals vor 80 Jahren als Lévi-Strauss in den Norden Brasiliens reiste.“ Und in einem Gespräch kurz vor Eröffnung der Ausstellung betont Enwezor, dass ihn „die Lektüre von Claude Lévi-Strauss sehr beeindruckt“ habe: „Alle Probleme, mit denen wir heute konfrontiert sind, spricht er bereits an. Wir müssen uns aber auch damit beschäftigen, wie die fotografischen Dokumente heute zu sehen sind, was das historische Vermächtnis heute bedeutet.“

Der Blick auf die Welt änderte sich in dem Maße, in dem „das Ferne“ nicht mehr pauschal als „das Fremde“ katalogisiert wurde. Und…

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