I. Vergangenheit und Gegenwart – Kunstgeschichte in der Kunst
Heinz Schütz
Jenseits von Utopie und Apokalypse?
Zum Mnemismus der Gegenwartskunst
1. Vom Avantgardismus zum Mnemismus
Paradigmenwechsel
In der Kunst der letzten beiden Jahrzehnte fand ein Paradigmenwechsel statt. Er zeigt sich primär in einem fundamental veränderten Verhältnis der Kunst zur Geschichte. Wird noch in den siebziger Jahren das Modell des Avantgardismus als weitgehend verbindlich erachtet – es zehrt von der Idee permanenter Progression und Innovation -, so wird nun die darin zugrundegelegte utopische Denkfigur durch die „mnestische“ ersetzt. An die Stelle des zukunftsfrohen Fortschrittsdenkens tritt unter dem Vorzeichen der Erinnerung der mnestische Rückgriff. Er legitimiert sich durch Postulate der „posthistoire“ wie etwa jenes von der Zersplitterung einer verbindlichen Geschichte in das Nebeneinander von vielen gleichwertigen Geschichten, jenes vom Ende der Moderne oder überhaupt vom Ende der Geschichte. Der „mnestische“ Rückgriff ist Teil einer scherenartig auseinanderklaffenden Bewegung: Während auf symbolischer Ebene die Erinnerung kultiviert wird, geht die Ökonomie weiterhin von der Wachstumsideologie aus und schreitet insbesondere die technologische Entwicklung radikal fort.
Querweltein
Der „Paradigmenwechsel“ beschränkt sich keineswegs auf die Kunst, er vollzieht sich querweltein. So weicht etwa das in den sechziger Jahren erwachte Interesse an Soziologie dem Interesse an Geschichtsschreibung. Wissenschaftstheorie geht zunehmend über in Wissenschaftsgeschichte. Die „Nouvelle Histoire“ beginnt den französischen Strukturalismus zu verdrängen. Die „oral history“ scheint das Postulat von der Vielzahl von Geschichten zu bestätigen. Historische Großausstellungen werden zu Publikumsmagneten. Der Museumsneubau boomt. In der Architektur antwortet dem Unbehagen am Purismus des internationalen Stils die Internationale des Zitates mit Erker und Säule. Im Neubau von Plätzen und…
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