Nachrichtenforum: Kulturpolitik , 2009

Am 3. März 2009 stürzten das Gebäude des Historischen Archivs der Stadt Köln und zwei Nachbarhäuser ein. Als Ursache wird ein Zusammenhang mit dem Bau einer U-Bahnröhre vermutet, die unter der Severinstr. direkt vor dem Grundstück des Stadtarchivs verläuft. 90 Prozent der Archivbestände lagen nach dem Einsturz unter den Trümmern. Die europaweit einzigartige Sammlung von Urkunden und anderen Dokumenten reicht von Überlieferungen aus dem 10. Jh. bis zum Nachlass des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll. Die Archiv-Direktorin Bettina Schmidt-Czaia erklärte, dass „fast noch nichts“ aus dem Bestand digitalisiert worden sei. Fachleute für Restaurierung wiesen darauf hin, dass es in diesem Jahr nur eine „Notbergung als Erstmaßnahme“ geben könnte. Erst 2010 oder 2011 könne man mit der Restaurierung der geborgenen Archivalien beginnen. Die Restaurierung der aus den Trümmern geborgenen Objekte könnte insgesamt 30 Jahre dauern. Die Kulturstiftung der Länder hatte der Stadt Köln für die Bergungsmaßnahmen eine Soforthilfe in Höhe von 50.000 Euro angeboten. Immerhin konnten inzwischen eine Original-Handschrift des Philosophen Albertus Magnus, Unterlagen des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer und rund 75 Prozent der mittelalterlichen Handschriften aus dem Trümmerschutt geborgen werden.

Die Stadt Köln hatte eine Gebäudeversicherung nur für Schäden durch Feuer oder Wasser abgeschlossen, aber keine Elementarversicherung. Während der Kulturdezernent Prof. Georg Quander den Wert der verschütteten Archivalien auf 400 Mill. Euro schätzt, ist für die Inhalte des Stadtarchivs eine „Allgefahrendeckung“ von lediglich 60 Mill. Euro abgeschlossen worden. Diese 60 Mill. Euro bekommt die Stadt von der Versicherung, für den Rest muss sie den Verursacher in Regress nehmen, von dem sich wiederum auch…

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