Titel: Prozent Kunst , 2012

Thomas Hirschhorn

Kunst als Dialog oder Konfrontation – von eins zu eins

Ein Mail-Gespräch mit Paolo Bianchi

Der in Frankreich lebende Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn wurde vor allem mit seinem Beitrag für die Documenta 11 in Kassel 2002 international bekannt. Seine Monumente zur Erinnerung an Philosophen wie Gilles Deleuze oder George Bataille zeigten neue Ansätze zur Auseinandersetzung mit philosophischen Positionen und ihren Gedankenwelten. Nicht nur Hirschhorns formale Umsetzung, die immer temporären Charakter hat, sondern auch die Positionierung der Arbeiten, abseits von städtischen Zentren in meist sozial schwachen Bezirken sowie die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, stießen auf großes Interesse und gleichzeitig auf heftige Kritik. Hirschhorn hat seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit um 1989 zahlreiche Arbeiten im städtischen Außenraum realisiert. Das vorliegende Gespräch zielt vor allem auf diesen Aspekt seines Schaffens.

Werk als „Symbol des Wachsens und des Lebens“

Welche Bedeutung hat Kunst im Zusammenspiel mit Stadt und Architektur für eine demokratische Öffentlichkeit? Wie kann diese „Öffentlichkeit“ als Ort kritischer Auseinandersetzung fungieren?

Kunst ist Widerstand. Kunst ist Widerstand an sich, auch im öffentlichen Raum. Als Widerstandsform wirkt Kunst im öffentlichen Raum unmittelbar und nachhaltig. Als Beispiel, wie sich Widerstand Tag für Tag neu formieren kann und dabei eine kritische Auseinandersetzung ermöglicht, steht der „Meret-Oppenheim-Brunnen“ auf dem Waisenhausplatz in Bern (Abb. 1). Seit 1983 behauptet er in wundervoller Weise seine Bedeutung als „Symbol des Wachsens und des Lebens“. Dieser Brunnen zählt mit zum Allerschönsten, was ich kenne. Für mich muss alle Kunst im öffentlichen Raum an diesem Werk gemessen werden.

Werke für ein „Nicht-Exklusives Publikum“

Heute sind vor allem zwei Formen…

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von Paolo Bianchi

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