Titel: Prozent Kunst , 2012

Gernot Tscherteu

Medienarchitektur oder Die Stadt als Medium

Es waren die technischen Innovationen der letzten zehn Jahre, die einen Typus von Architektur hervorbrachten, der sowohl Gebäude als auch Bildmedium repräsentiert. Und es war die rasante Entwicklung von LEDs, die dafür mitverantwortlich war. Auf die Oberfläche dieser so genannten Medienarchitekturen werden Lichtpunkte affichiert, wodurch sich die Fassade wie ein Screen bespielen lässt. Dass Gebäude Botschaften transportieren und mit ihrer Umgebung kommunizieren ist nun allerdings keine spezifische Ausdrucksform unserer Tage. Sakrale Bauten und herrschaftliche Paläste entfalten auf der symbolischen Ebene seit jeher eine Wirkung auf Mensch und Umwelt. Neu in der Res Publica 2.0 ist, dass sich der Bedeutungszusammenhang 25 mal pro Sekunde verändern lässt.1

Medien und Architektur

War die Fassade bislang die statische äußere Struktur eines Gebäudes, wird es durch ihre Transformation zur Medienfassade möglich, das Erscheinungsbild des Gebäudes dynamisch und augenblickshaft zu verändern. Es steht zu vermuten, dass diese Entwicklung tief greifende Auswirkungen auf die Architektur und das Erschei-nungsbild unserer Städte haben wird.

Wir sind angekommen im Zeitalter der Medienarchitektur.

Viel wird davon abhängen, wie sich das Verhältnis von Gebäude und dem darauf befindlichen Bildmedium – Medienfassade oder Screen – gestalten wird. Was wird dominieren: Die Architektur oder der mediale Inhalt? Werden Gebäude zu Urban Screens, zu Ausgabemedien für eine zunehmend vernetzte Informationsgesellschaft oder findet einfach eine weitere Medialisierung von Architektur statt?2

Mit diesen und ähnlichen Fragen hat sich im Herbst 2010 die „Media Architecture Biennale“ im Wiener Künstlerhaus mit einer Ausstellung (kuratiert von Gernot Tscherteu und Martin Tomitsch) und einer Konferenz (kuratiert von Oliver Schürer) auseinandergesetzt….

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von Gernot Tscherteu

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