Ausstellungen: Hamburg , 2012

Rainer Unruh

Sven Drühl

»Strategien gegen Architekturen«

Galerie Levy, Hamburg, 17.1. – 14.3.2012

Es hängt ein Geruch von Farbe in der Luft, als seien die Bilder erste wenige Stunden alt und gerade eben aufgehängt worden. Vermutlich liegt es aber nur an der speziellen Mischung aus Öl, Lack und Silikon, der sich Sven Drühl bedient, die einem vor seinem Werken ein zusätzliches olfaktorisches Erlebnis beschert. Das Ganze ist nicht frei von Ironie, weil die Nase etwas suggeriert, was das Großhirn sofort dementiert: die Frische als Ausweis von Authentizität, von Nähe zum Atelier und damit auch zu dem einsamen Genie, das dort auf die Inspiration wartet, bevor es sich heroisch in den Kampf mit der weißen Fläche stürzt, um auf ihr etwas Einmaliges und Unverwechselbares zu schaffen.

Sven Drühl braucht für seine Kunst keine Eingebung, sondern Bilder. Und ein Gespür dafür, wie diese zusammenpassen, wie sie sich umgestalten und rekontextualisieren lassen, sodass aus der Reibung heterogener Elemente ein Funke entsteht, der das leistet, für das vergangene Malergenerationen die Inspiration bemüht haben. Die Vorlagen stammen aus den unterschiedlichsten Quellen, die der Künstler im Titel auch offenlegt. Bei „S.D.A.R.P“ (2011) hat S(ven) D(rühl) das Foto einer Industriearchitektur von A(lbert) R(enger)-P(atzsch) in ein scharf umrissenes schwarzes Liniengerüst überführt, das sich vor einem dramatisch bewegten Wolkenmeer abzeichnet. Ein anderes Mal diente eine Aufnahme von Wolfgang Tillmans als Grundlage für ein Bild, das aus der Perspektive eines schräg nach oben schauenden Betrachters den Himmel bei einer Sonnenfinsternis zeigt, durchschnitten von Hochspannungsleitungen und Ästen, die sich wie Schattenrisse vor die weißen, blauen und…

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