Ausstellungen: Düsseldorf · S. 337
Ausstellungen: Düsseldorf , 1989

Heinz-Norbert Jocks

Mic Enneper

»Material-Schlachten«

Galerie Udo Bugdahn, 19.5.-30.6.1989

Kargheit in den Formen, Präzision in der Ausführung, Klarheit in der Gestik, Askese im Auftritt, ein wohl hermetisches Programm, mit dem dennoch bezwingende sinnliche Erfahrungen zu machen sind.

Der 1950 geborene, in Köln lebende Mic Enneper, der bei Karl Marx studierte, ist ein eigenständiger Bildhauer der agressiven Sparsamkeit, dessen bedrohliche Wandskulpturen einen Zug zum Erhabenen nicht leugnen. Im fortgeschrittenen Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit, das Abschied nahm von der seltsamen Aura sich wehrender Kunstwerke, wirkt der Wunsch nach der heiligen Distanz, die den unwiderstehlichen Charme verteufelter Einmaligkeit rettet, wie ein eigenartiger Anachronismus. Wie sehr sich Mic Enneper, für den die Begegnung mit Walter Marias Kunst ein Schlüsselerlebnis war, den Vereinnahmungsstrategien gieriger Konsumentenaugen widersetzt, bezeugt bereits der stoffliche Charakter seiner finsteren Kunstwerke.

Er, der sich zehn Jahre lang dem Galerien- und Museumsbetrieb verweigerte, suchte, um künstlerisch zu arbeiten, seit 1977 über Jahre abgelegene Orten auf. An einsamen Küstenstrichen, in unterirdischen Gängen, unter dunklen Brücken und in verlassenen Häusern zelebrierte er seine vorsichtigen Eingriffe in die Natur und, als ob er seine Anwesenheit zu bezeugen wünsche, fotografierte er, wie sich die Umgebung unter dem Einfluß seiner Objekte veränderte. Ab 1987 ging er in geschlossene Kunsträume, wo er sein künstlerisches Konzept zu realisieren begann, indem er, wie 1988 in der Kunsthalle Baden-Baden, bis heute die handfeste Verbindung von Architektur und Skulptur erforschte, nüchterne, monumentale Installationen baute, die, weil sie sich „dazwischendrängen“, auf die räumlichen Vorgaben antworten. Wer als Betrachter versuchte, den Raum wahrzunehmen, ohne das monumentale Objekt einzubeziehen, bemerkte die unheimliche…

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