Titel: Häuser II. Der Geist der Schwelle · von Jürgen Raap · S. 108
Titel: Häuser II. Der Geist der Schwelle , 2007

Jürgen Raap

Modelle und Miniaturen

Hausobjekte als Skulpturen

Kunsttherapie

Ein Spezialfall der Bildhauerei sind kunsttherapeutische Maßnahmen, die in einen Hausbau münden: Drogenabhängige Patienten realisierten im Park einer rheinischen Klinik für forensische Medizin unter der Leitung des Künstlers und Kunstherapeuten Georgy Bretschneider eine begehbare Skulptur in Form eines Hauses aus Lehm. Die Patienten planten und bauten das Haus zwischen 1999 und 2001 gemeinsam. Es ging dabei pädagogisch um die Einübung von Team-Work, Leistungsbereitschaft und Planungsfähigkeit mit dem Ziel, aufgrund solch einer positiven Erfahrung später nach der Entlassung auch den eigenen Alltag strukturieren zu können.

Nicht alle Patienten waren von Anfang an mit Begeisterung bei der Sache: Einige wollten sich nicht mit dem Lehm schmutzig machen, andere hatten eine baldige Entlassung aus der Klinik in Aussicht und waren deswegen nur schwierig zu motivieren, weil sie ja die Fertigstellung nicht mehr erlebt hätten: „Wozu soll ich mich dann überhaupt noch in dieses Projekt einbringen?“ Nicht das Bauen selbst, nicht der Prozess der Entstehung war ihnen wichtig, sondern nur das fertige Endprodukt. Inzwischen ist diese Hausskulptur auf dem Gelände verfallen, weil sich später keiner mehr darum kümmerte.

Somit hat dieses kunsttherapeutische Projekt durchaus eine parabelhafte Bedeutung für den Alltag: Zu etwas Selbstgeschaffenem entwickeln wir besondere emotionale Bindungen – die selbst hergestellte Marmelade mit Früchten aus dem eigenen Garten schmeckt uns subjektiv besser als die im Supermarkt gekaufte. Wer sein Haus mit eigenen Händen baut, unternimmt dies oftmals nicht nur aus Kostengründen. Handwerkliche Selbstverwirklichung ist nur eine Motivation unter mehreren anderen, die bis in die Ebene der Archetypen in der Tiefenstruktur…

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