Titel: Häuser II. Der Geist der Schwelle · von Jürgen Raap · S. 86
Titel: Häuser II. Der Geist der Schwelle , 2007

Jürgen Raap

Prinzip Eigenheim

Baukonvention und Lebensideal

„Schaffe, schaffe, Häusle baue…“ lautet eine schwäbische Redensart, die das (klein)bürgerliche Lebensideal umschreibt: Mit Fleiß und Strebsamkeit könne man es zu einem eigenen Häuschen bringen. Doch Sparsamkeit und Selbstgenügsamkeit allein reichen oft nicht aus, um ausschließlich aus eigener wirtschaftlicher Kraft die nötigen Rücklagen für den Hausbau zu bilden. Aus diesem Grund entstanden Wohnbaugenossenschaften und Bausparkassen.

Die erste Bauspar-Initiative ist aus der britischen Stadt Birmingham überliefert. Dort sollen 1775 Arbeiter in einer Kneipe ein Modell entwickelt haben, wie sie ihr bedrückendes Wohnungsproblem lösen könnten. Denn die Unterkünfte in der Nachbarschaft der Kohlegruben und Manufakturbetriebe waren in der Regel eng, dunkel, zugig, feucht und schlecht beheizbar. Am Biertisch entstand also der Legende nach die Idee der englischen Bausparväter, die sich recht einfach und praktikabel anhört: Alle Bauwilligen zahlen in einen Topf ein. Mit diesem Geld können einige den Wunsch nach dem Bau eines eigenen Hauses sofort realisieren. Sie bekommen die Restsumme zur Begleichung der Baukosten aus diesem Topf als Darlehen bewilligt. Nach ihrem Einzug in die eigenen vier Wände sorgen sie mit der Tilgung dieses Darlehens dafür, dass Geld für die Bauwünsche der anderen in die Kasse kommt.

Dieses Solidarprinzip breitete sich erst in den zwanziger Jahren des 20. Jh. ebenfalls in Deutschland aus. 1929 wurden zwischen Flensburg und Füssen die ersten Landes- und Provinzialbausparkassen gegründet. 1952 beschloss der Deutsche Bundestag das Wohnungsbauprämiengesetz. Es löste in den beginnenden Wirtschaftswunderjahren einen massiven Bauboom in Westdeutschland aus. Zwischen 1950 und 1980 stieg dank der staatlichen „Eigenheimzulage“ die Zahl der Bausparverträge um das…

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