Gespräche mit Künstlern , 2007

Dieter Buchhart

Die Choreografin des Blicks

Ein Gespräch mit Elke Krystufek

Schon früh avancierte Elke Krystufek mit ihren schonungslosen Performances, Fotografien, Videos, Installationen, Collagen und ihrer Malerei zu einer international viel beachteten und diskutierten Künstlerin. Sie gilt als notorische Selbstbeobachterin, die den Blick stets auf ihr eigenes Spiegelbild fokussiert und sich selbst in unzähligen Versionen abbildet. Ihr Körper und ihre eigene Geschichte dienen der Künstlerin als Angelpunkt und Projektionsfläche in ihren Analysen menschlicher Identitäten und deren familiär, sozial und gesellschaftlich bedingten Ausformungen und Wahrnehmungen. Dabei hinterfragt sie die Grenzen zwischen dem zumeist als privat und dem als öffentlich verstandenen Leben und inszeniert die Veröffentlichung von Intimität und Privatem. Ihre Auseinandersetzung mit Nacktheit, Körperflüssigkeiten und Sexualität scheint provozierend und ein gutes Instrument, Tabus in Frage zu stellen, ist jedoch insbesondere als Untersuchung zu deren Bedeutungsebenen in unserer Gesellschaft gedacht. Krystufeks gelungene Zurschaustellung als Lebenskunstwerk hinterfragt, was privat, öffentlich, real und inszeniert ist. In den letzten Jahren hat sich die Künstlerin zusehends auch kunstgeschichtlichen oder kunstimmanenten Fragestellungen und Darstellungen zugewendet, wie auch ihre Gemäldefassungen von historisch längst vergessenen oder bekannten Frauen und berühmten männlichen Persönlichkeiten belegen. In ihrer Ausstellung „Liquid Logic. The Height of Knowledge and the Speed of Thought“ im MAK in Wien hat sich die Künstlerin vor dem Hintergrund ihres Interesses an Mode und Design mit den Sammlungen des Museums für Angewandte Kunst auseinandergesetzt und Themen wie Religion oder gesellschaftlich geprägte Verhaltensweisen in einer neuen Werkgruppe eng miteinander verwoben.

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Dieter Buchhart: In deiner Ausstellung „The Rich visit the Poor, the Poor visit the Rich“…

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von Dieter Buchhart

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