Ausstellungen: Berlin · S. 277
Ausstellungen: Berlin , 1989

Thomas Wulffen

Museum der Avantgarde Balkon mit Fächer

Hamburger Bahnhof und Akademie der Künste

Der Übergang zur Alltäglichkeit nach zwei Jahren Feierkultur in Berlin mag den meisten als gelungen erscheinen. Mit dem ‚Museum der Avantgarde‘ und dem ‚Balkon mit Fächer‘ ist tatsächlich ein qualitätsvoller Wechsel vollzogen, aber ein genauerer Blick enttäuscht die Erwartungen. Das ‚Museum der Avantgarde‘ ist eine gelungene Präsentation der Sammlung Sonnabend im Hamburger Bahnhof, der damit dann wohl endgültig als Ausstellungsort der Bildende Künste festgelegt ist. Der ‚Balkon mit Fächer‘ ist die subjektive Darstellung, durch Rudi Fuchs, von fünfundzwanzig Jahren Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Beide Ausstellungen haben retrospektiven Charakter und sie zeigen Berlin als das, was es auch nach zwei Jahren Kulturrummel, mehr oder weniger zeitgenössischer Art, geblieben ist: Geschichtsort. Zwar war anläßlich des Kulturstadtjahres auch ein ‚Ort des Neuen‘ versprochen worden, aber das galt wohl nur für die Organisationsstrukturen (Beispiel: Werkstatt Berlin) und nicht für die Inhalte. Auf der institutionellen Ebene tut sich nach den vergangenen Ereignissen wenig, wenn überhaupt. Zwar haben die Ausstellungen der vergangenen zwei Jahre Defizite deutlich gemacht, die man davor nicht so klar gesehen hat, aber Konsequenzen hat man daraus nicht gezogen.

Beispielhaft für eine solche Verdeutlichung war das Projekt des ‚Skulpturenboulevard‘, 1987 auf dem Tauentzien und dem Kurfürstendamm realisiert. Die Skulpturen, insbesondere die Arbeiten von Olaf Metzel und Wolf Vostell, haben einen Volkssturm entzündet, der noch heute die oberen Etagen der Kulturbehörde verschreckt. Weder die Kulturbehörde noch der eigentliche Veranstalter, der Neue Berliner Kunstverein, aber haben innerhalb der vergangenen zwei Jahre Strategien und Konzepte entwickelt,…

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