Ausstellungen: Köln · von Annelie Pohlen · S. 256
Ausstellungen: Köln ,

Köln

Nil Yalter

Exile Is a Hard Job

Museum Ludwig 09.03. – 02.06.2019

CCS Bard Hessel Museum of Art, NY 22.06. – 13.10.2019

von Annelie Pohlen

„Wie kann eine Frau nicht Feministin sein“, so Nil Yalter mit offensivem Lächeln. Eine Antwort erwartet die Künstlerin, die im Alter von 81 Jahren im Museum Ludwig auf ihr grandios inszeniertes Lebenswerk blickt, wohl nicht. Weshalb sie die Frage, die eher ein Aufruf ist, mit leidenschaftlichem Nachdruck gerne wiederholt. Was umso mehr fasziniert, als es dieser Ausnahmekünstlerin eben nicht nur um die in Wellen aufbrausende Engführung auf die – auch in den sogenannten aufgeklärten Gesellschaften virulente – Benachteiligung des weiblichen Geschlechts und dessen von Männern vorgeblich wohlmeinend in je spezifischen Kulturen verwurzelten Begründungen geht.

Dass der bis heute kämpferisch aufgeladene Begriff zur Eröffnung am nicht ohne Hintersinn instrumentalisierten Internationalen Tag der Frau nicht auszublenden war, liegt auf der Hand. Und das, obwohl Nil Yalter, die seit den 70er Jahren mit Nachdruck für Geschlechtergerechtigkeit im Einsatz ist, derart plakativen Datierungen nichts abgewinnen kann. Ihre in eine Frage verkleidete Haltung zum Stand der Dinge blitzt in vielen gleißend grellen wie auch sanften Zuckungen aus allen Ritzen dieses inhaltlich wie formal Grenzen sprengenden, über ein halbes Jahrhundert unabdingbar experimentellen Oeuvres.

„Wir hatten nichts zu verlieren“, so einer der weniger spektakulären, gleichwohl markanten Sätze der 1938 in gutbürgerlichem Milieu türkischer ‚Migranten‘ in Kairo geborenen, in Istanbul aufgewachsenen, über viele Stationen 1965 schließlich nach Paris ‚ausgewanderten‘ Künstlerin. Der global geprägte Lebenslauf wird zum Fundament ihres hochaktuellen Werks.

„Exile is a Hard Job“, der einem Gedicht des revolutionären türkischen…

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