Titel: Graffiti NOW - II. Von New York nach Europa · von Martin Papenbrock · S. 98
Titel: Graffiti NOW - II. Von New York nach Europa ,

Wie alles anfing

Peter Kreuzer und das Münchner Graffiti der frühen Jahre

von Martin Papenbrock

DIE ANFÄNGE DES STYLE WRITING IN DEN USA

Bis heute wissen wir nur wenig darüber, wie Graffiti, das illegale Besprühen und Bemalen von Zügen und Wänden, zu einer weltweiten jugendkulturellen Bewegung werden konnte.1 Graffiti ist eine globale Erscheinung vor der Zeit, ein virales Phänomen, dessen Anfänge im prädigitalen Zeitalter liegen und nur schwer zu rekonstruieren sind. Foto- und Quellenmaterialien, die das Graffiti der frühen Jahre dokumentieren, sind nur sporadisch vorhanden und eher in privaten als in öffentlichen Archiven zu finden. Große Teile der Geschichte basieren auf Oral History, deren Quellen oft anonym sind. Zu den Gründungsmythen der Graffiti-Bewegung gehören die Geschichten über die ersten Sprüher in den großen Städten an der amerikanischen Ostküste, in Philadelphia und New York, Geschichten über CORNBREAD und TAKI 183, die in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren ihre Tags in großer Zahl und an spektakulären Orten im öffentlichen Raum und entlang von Verkehrswegen platzierten und in kürzester Zeit Hunderte von Nachahmern fanden, wie die New York Times 1971 berichtete.2

Fotodokumentationen der frühen Jahre, insbesondere die Aufnahmen von Jon Naar und Jack Stewart, zeigen, dass die zunächst einfachen, linearen Signaturen der Sprüher schon bald ästhetisch ausgebaut wurden.3 Die Graffitis wurden größer und farbiger, sie wurden komplexer in ihrer sprachlichen Struktur und ihrem bildlichen Aufbau und angereichert mit einem eigenen Dekorum und einer eigenen Ikonografie. Dieser Prozess der Ästhetisierung der Graffitis, der sich im Laufe der 1970er Jahre vollzog, war zugleich ein Prozess der ästhetischen Normierung…

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