Ausstellungen: Bonn , 1994

Andreas Denk

Nina Hoffmann

Bonner Kunstverein, 26.4. – 10.7. 1994

Bis zu einem gewissen Maße sind die Arbeiten Nina Hoffmanns ironisch: Die Installation mit dem Titel „Ideale Kreaturen in idealer Landschaft“ (Kunstverein München 1990) besteht aus zwanzig Nachahmungen von Windhunden, die in dicken Folianten lesen. Auch die im Bonner Kunstverein ausgestellte Arbeit „Röhrender Hirsch mit Königin“ (1990) pflegt eine distanzierte Attitüde, wie man sie von Hoffmann aus der Zeit der „Anti-New-York-Pläne“ (1989) kennt, die sie zusammen mit Minimal Club entwarf. Ein Jugendbild der britischen Queen wird hier von zwei Zeichnungen flankiert, auf denen die archaisch ausformulierten Silhouetten zweier lautgebender Geweihträger notiert sind. Die bukolische Landschaft mit Fischer, die den Hintergrund der jungen Mountbatten bildet, scheint die Anwesenheit der Paarhufer nahezulegen. Der Illusionismus der Landschaft indes wird durch deren auf das Essentielle zielende Darstellung hübsch konterkarriert. „Scheinbar harmlose Bilder mit röhrenden Hirschen (Verherrlichung der Männermacht und Siegerkraft (Kapitalismus)) Unterwerfung des Konkurrenten“, hat Hoffmann zu dieser Arbeit notiert.

Tiere sind ein Leitthema der 1948 in Jugoslawien geborenen, in München ausgebildeten und in Berlin arbeitenden Nina Hoffmann. Bei neueren Arbeiten mißt sie dem Animalischen zwar ähnlich allegorische, jedoch weniger ironische Bedeutung zu. Im Bonner Kunstverein dominiert eine weitere „Hirsch“-Arbeit („Das Gleichgewicht der Hirsche“, 1991), die aus insgesamt zwanzig (in Bonn siebzehn) Yves-Klein-blauen, gekrümmten, in Originalgröße nachgeformten Wirbelsäulen des männlichen Damwilds mit schräg auf den Boden gepreßten Geweihen besteht. Die Scheitel der Rückgratbögen werden höchst symbolisch durch spitze Glasdreiecke in einem fragilen Gleichgewicht gehalten.

Auch die Wachsausformungen von Fischen auf Vlies („Rote Fische“, 1994), die zunächst ornamenthafte Funktion zu…

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